Wie die Windkraft auf See die traditionelle Fischerei verdrängt

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Fischkutter (Archivbild) - SNA, 1920, 16.12.2020
Dort, wo Windräder stehen, darf nicht gefischt werden. Und ihre Menge soll in der Nord- und der Ostsee bis 2040 auf das 25-Fache ansteigen, um die Produktion von grünem Strom und Wasserstoff zu steigern. Die traditionelle Fischerei beobachtet diese Ausdehnung mit Sorge und fürchtet um ihre Existenz.
Offshore-Windparks stören keine Anwohner, ermöglichen höhere Energieerträge und befinden sich weltweit in rasantem Wachstum. Auch die EU-Staaten Deutschland und Dänemark wollen nun bei der Offshore-Windkraft stärker zusammenarbeiten, wie am Dienstag vom Bundeswirtschaftsministerium mitgeteilt wurde. Neben dem großflächigen Ausbau von Windrädern in Nord- und Ostsee gehören zu den Plänen auch sogenannte zentrale „Energieinseln“, die als Verteilzentren für grünen Strom gedacht sind, aber auch grünen Wasserstoff produzieren sollen.
Die gegenwärtigen 12 Gigawatt an europäischer installierter Leistung der Offshore-Windkraft sollen sich dabei zum Jahr 2030 auf 60 Gigawatt und zum Jahr 2040 auf 300 Gigawatt erhöhen – also auf das 25-fache in 20 Jahren anwachsen. Das geht nicht ohne massive Eingriffe in die Umwelt und den Wegfall traditioneller Fischgründe. Denn die Windparks sind Raumfresser. 
So viel Raum nehmen Offshore-Windparks weg

Die beiden deutschen Windparks „Hohe See“ und „Albatros“ verfügen über eine installierte Leistung von 610 Megawatt oder 0,61 Gigawatt und nehmen mit ihren 87 Windrädern mit jeweils sieben Megawatt Leistung eine Fläche von 53 Quadratkilometern weg. Eine Umrechnung ergibt: 86 Quadratkilometer würden bei einem solchen Windradtyp pro Gigawatt installierter Leistung belegt werden. Bei 300 Gigawatt wäre das schon eine Gesamtfläche von 26.025 Quadratkilometern.

ExpandierenMinimieren
Da sich für die Windräder weder küstennahe noch Tiefseegebiete eignen, schränkt das die Auswahl der Flächen noch weiter ein. Die für Windparks geeigneten Flächen sind aber auch die Gebiete, in denen die traditionelle Fischerei aktiv ist und die fürchtet nun in Europa und in Deutschland um ihre Existenz, denn in Windparks wird sie faktisch ihrer Tätigkeit nicht nachgehen dürfen.
Auf Anfrage von SNA-News teilt der Generalsekretär des Deutschen Fischereiverbandes, Peter Breckling, mit:
„Den Ausbau der Windenergie verfolgen wir von Anfang an und müssen feststellen, dass er zu einem dauernden Verlust von traditionellen Fanggebieten für die deutsche Fischerei führt. Fischer werden verdrängt von neuen Nutzern mit exklusiven Nutzungsrechten, während die Fischer keinen Rechtsanspruch haben und dadurch keine Entschädigungsansprüche geltend machen können.“
Erschwerend kommt hinzu, dass Windparkbetreiber für die Fläche der Parks einen Ausgleich an den Naturschutz zahlen sollen, der aber deutlich gesenkt wird, wenn in den Windparks keine Fischerei betrieben wird. Diesen Anreiz nehmen die Betreiber der Windparks in der Regel wahr. „Die Fischer fühlen sich zunehmend wie damals die Indianer in Nordamerika, die von den weißen Farmern aus ihren Jagdgründen vertrieben werden“, kommentiert Breckling diesen Prozess. Die Fischerei fordert deswegen, „dass europaweit multi-use-Ansätze für die Flächen verwirklicht werden, damit wenigstens einige Fischereiformen in Windparks möglich sind“.
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