- SNA, 1920
Österreich
Aktuelle Nachrichten aus Österreich

Waffenarsenal in Österreich: Rechtsradikalismus wahrnehmen – Experte Heinz Gärtner

© REUTERS / Police Vienna / HandoutDie beschlagnahmten Waffen bei einer Polizeirazzia in Wien, Dezember 2020
Die beschlagnahmten Waffen bei einer Polizeirazzia in Wien, Dezember 2020 - SNA, 1920, 16.12.2020
Die österreichische Regierung will den politischen Islam bekämpfen, es wird Zeit, dass sie den politischen Rechtsradikalismus wahrnimmt. Professor Heinz Gärtner (International Institute for Peace Wien, IIP) bewertet die Situation nach der Sicherstellung eines großen Waffenarsenals in Österreich gegenüber SNA.
„Laut des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes gibt es in Österreich 1000 bis 2000 Personen, die der Neonaziszene zugerechnet werden können, wobei die Hälfte von ihnen als rechtsradikal eingestuft werden können. Nur ein kleiner Teil davon ist gewaltbereit. Die aktuell bekannteste Gruppe ist die ‚Identitäre Bewegung Österreichs‘, die zwar nichts mit den Beschuldigten zu tun hat, allerding zur Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) Verbindungen hat. Diese Gruppen haben vielleicht geringen direkten politischen Einfluss, bewegen sich aber im Windschatten der immer stärker werdenden Islamophobie. Jeder zweite Österreicher glaubt, dass der Islam zu viel Einfluss hätte“, so Gärtner.
Der österreichische Politikwissenschaftler wies darauf hin, dass der rechtsextremen Szene dennoch immer wieder zu wenig Bedeutung zugemessen werde. Nur so habe dieses umfassende Waffenlager von Extremisten unbeobachtet angelegt werden können.
Waffenverbotzone (Symbolbild)  - SNA, 1920, 16.12.2020
Halle bekommt erste Waffenverbotszone in Sachsen-Anhalt – Magdeburg soll folgen

Dem Umfeld der Rechtsextremen wenig Aufmerksamkeit geschenkt

„Das Augenmerk der Sicherheitsbehörden war auf den ‚islamistischen Extremismus‘ gelegt. Dieser wurde im Umfeld des ‘politischen Islam‘ gesucht. Dem Umfeld der Rechtsextremen wurde im Verhältnis extrem wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Die Hausdurchsuchungen bei Rechtsextremen wurden auch nur deswegen durchgeführt, weil sie die Grünen in der Koalitionsregierung mit der konservativen Partei des Kanzler Kurz als Ausgleich zu den Untersuchungen im islamischen Umkreis gefordert hatten. Es sind immer wieder Anlässe notwendig, die die Aufmerksamkeit auf die rechtsextreme Szene lenken. Die österreichische Regierung will den ‚politischen Islam‘ bekämpfen, es wird Zeit, dass sie den ‚politischen Rechtsradikalismus‘ wahrnimmt, so Gärtner.
Nach Angaben der österreichischen Behörden wurden über 70 automatische und halbautomatische Schusswaffen, Handgranaten, Wehrmachtsgegenstände wie Säbel und Helme sowie Munition im sechsstelligen Bereich sichergestellt.

Waffenarsenal von Rechtsextremisten in Österreich beschlagnahmt

Bei Hausdurchsuchungen in Österreich wurde in der vergangenen Woche ein von Rechtsextremisten angelegtes Waffenarsenal beschlagnahmt. Fünf Österreicher und zwei Bayern wurden festgenommen. Der österreichische Hauptverantwortliche war den Sicherheitsbehörden seit Ende der achtziger Jahre bekannt und war auch wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung und Waffenbesitz verurteilt worden. In den neunziger Jahren hat er sich bei Stammtischrunden im Wiener „Paulinerstübl“, dem damaligen Stammlokal der „Volkstreuen Außerparlamentarischen Opposition“ (VAPO), radikalisiert. Die Waffen, die mit illegalen Drogengeschäften finanziert wurden und aus Kriegsbeständen bestehen, sollen größtenteils für eine deutsche Miliz Nordrhein-Westfalens bestimmt gewesen sein.
Univ. Prof. Dr. Heinz Gärtner

ist Lektor an den Universitäten Wien und Krems. Er ist Vorsitzender des Beirates des International Institute for Peace (IIP) und war Direktor des Österreichischen Instituts für Internationale Politik.

Newsticker
0
Um an der Diskussion teilzunehmen,
loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich
loader
Chats
Заголовок открываемого материала