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Wie man einen harten Lockdown während der Weihnachtszeit überlebt – Ratschläge eines Psychologen

© AFP 2021 / APA / HELMUT FOHRINGERHändler von Weihnachtsbäumen wartet auf Kunden, Mannsdorf an der Donau, 10. Dezember 2020
Händler von Weihnachtsbäumen wartet auf Kunden, Mannsdorf an der Donau, 10. Dezember 2020 - SNA, 1920, 16.12.2020
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Ab Mittwoch geht es in Deutschland bundesweit in einen harten Lockdown. Was kann man tun, um nicht verrückt zu werden und die Verwandten vor einer Infektion zu schützen? SNA sprach mit dem Psychologen, Sozialforscher und Leiter des Humaninstituts in Wien Daniel Witzeling darüber, wie man sich in dieser schweren Zeit am besten verhält.
Wichtig in der schon lange andauernden Ausnahmesituation ist es weiterhin, eine Zukunftsperspektive im Kopf zu haben. Bei Konfliktsituationen mit Verwandten geht es darum, sich alten und nicht aufgearbeiteten Beziehungsproblemen, die an die Oberfläche des Bewusstseins treten und sonst im Alltagsstress und bei der Arbeit unter den Teppich gekehrt werden, zu stellen. Dies kann aber auch heilsam sein. Elementar ist die richtige Dosis – sprich, nicht zu denken, dass man alle Probleme auf einmal lösen muss oder kann. Ähnlich wie bei einem Druckkochtopf ist es jedoch relevant, den Druck oder den Konflikt in kleineren Einheiten abzubauen.
- Was kann man den Menschen raten, die nach dem Lockdown in einer schwierigen Situation sind? Der Einzelhandel ist dicht, Friseure, Sportstudios, Restaurants und Cafés sind zu. Strenge Kontaktbeschränkungen gibt es auch im Privaten.
Es gibt keine Patentrezepte, denn jeder Mensch und jede Situation ist einzigartig. Eine Möglichkeit ist, sich auf die eigenen Stärken zu besinnen und sich an bessere Zeiten zu erinnern, ähnlich wie beim autogenen Training. Die Vorstellungskraft, der Glaube beziehungsweise die Autosuggestion können erwiesenermaßen Berge versetzen, denn irgendwann geht jede Krise vorbei. Bis dorthin braucht man einen langen Atem.
Glühwein - SNA, 1920, 11.12.2020
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Für ganz konkrete Probleme finanzieller Natur oder auch Einsamkeit durch Kontaktbeschränkungen geht es jetzt mehr denn je um die Kraft unserer sozialen Netzwerke. Freunde, Bekannte und andere Menschen müssen jetzt kooperieren und sich gegenseitig helfen, denn wer sich alleine fühlt, fällt leichter in eine Depression. Das Internet als vierte Kulturtechnik und neue Medien können uns helfen, zumindest digital in Kontakt zu bleiben und so einen Teil der Einsamkeit und Hoffnungslosigkeit zu überwinden. Der Mensch ist ein soziales Wesen und braucht soziale Kontakte ebenso in realer physischer Art in Form von menschlicher Nähe. So gesehen ist ein harter Lockdown vor allem für die Psyche eine Qual, aber auch eine Herausforderung.
- Die Situation in Österreich scheint nicht viel besser zu sein. Kann man beide Länder in dieser Hinsicht vergleichen?
Ja, Deutschland und Österreich sind sehr gut vergleichbar. Vor allem aufgrund der Tatsache, dass Kanzler Kurz vermehrt auf Experten aus Deutschland wie den Virologen Christian Drosten achtet. Dies kommt in Österreich zunehmend weniger gut an, da die Österreicher einen starken Nationalstolz haben und ihre eigenen Experten als Berater des Kanzlers sehen wollen. Weltweit hat aktuell keine Regierung ein Patenrezept, und nach Lösungen wird über die Grenzen des eigenen Landes hinaus gesucht. Vielleicht eine Chance der Krise, um die eigenen mentalen Grenzen zu überwinden. Die Welt ist in puncto Corona ein Dorf. Wir sitzen alle in einem Boot.
- Wie soll sich ein Mensch, der ja auch Verbraucher ist, kurz vor dem Weihnachtsfest verhalten
Schon vor der Corona-Krise ist die unreflektierte kapitalistische Konsumkultur unklug gewesen. Immer mehr, immer billiger ist zwar schön für den Verbraucher, macht uns tief im Inneren aber nicht glücklicher. Die Krise zwingt uns dazu, uns auf das zu konzentrieren, was uns wirklich wichtig ist, nämlich die Unversehrtheit unserer Angehörigen. Die Menschen brauchen keine Konsumtipps. Diese sind im pädagogischen Sinne kontraproduktiv. Die meisten wissen jetzt, dass es um Reduktion nicht nur unserer sozialen Kontakte, sondern auch des Konsums geht, um dann nach der Pandemie wieder neu aber anders durchstarten zu können. „Small is beautiful“ wusste schon der Nationalökonom, Philosoph und Träger des Alternativnobelpreises Leopold Kohr.
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