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Aderlass-Prozess: Doping-Arzt will nach der Haft die Seiten wechseln

© AP Photo / Matt DunhamDoping-Tests (Archivbild)
Doping-Tests (Archivbild) - SNA, 1920, 16.12.2020
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Der Erfurter Doping-Arzt Mark S., dem seit September der Prozess gemacht wird, hat am Dienstag verkündet, er wolle nach seiner Haft seine Erfahrung im Anti-Doping-Kampf einbringen.
In Deutschlands größtem Dopingprozess seit Einführung des Anti-Doping-Gesetzes 2015 soll am 15. Januar ein Urteil fallen. Obwohl etliche Zeugen nicht gehört werden konnten. Darauf haben sich Richterin Marion Tischler und die Anwälte am Freitag verständigt.

Permanente Verzögerungen im Prozessverlauf – Auch wegen Corona

Das Verfahren vor dem Landgericht München II um den Erfurter Doping-Arzt Mark S. und seine Komplizen wurde von Verzögerungen begleitet, sodass das Urteil nicht, wie eigentlich geplant, bereits vor Weihnachten ergehen kann. Neun Zeugen, darunter sieben Athleten, konnten nicht persönlich befragt werden. Die Zeugen aus Österreich, Estland und der Schweiz sagten laut DPA-Berichten ihr Kommen mit Verweis auf die Corona-Pandemie ab. Nun haben sich die Anwälte bereiterklärt, auf die Befragungen zu verzichten und stattdessen die früheren Aussagen der Zeugen zu verlesen. Die Schlussplädoyers werden für den 8. Januar 2021 erwartet.
Dem Erfurter Doping-Arzt Mark S., der sich seit Februar 2019 in Haft befindet, drohen bis zu fünfeinhalb Jahre Gefängnis. Sein Helfer, Dirk Q., der als Kurier fungierte, Sportlern Blut abnahm und wieder zuführte, könnte unter Umständen bald freikommen. Seit März sitzt er in Untersuchungshaft. Das Gericht hat für die zu erwartende Haftstrafe einen Korridor zwischen zweieinhalb bis drei Jahren genannt, die Anwälte fordern maximal zweieinhalb Jahre. Drei weitere Mitangeklagte befinden sich nicht in Untersuchungshaft und können mit Bewährungs- oder Geldstrafen rechnen.

Vom Saulus zum Paulus? Mark S. will die Seiten wechseln

Für die Zeit nach der Haft hat der reumütige Doping-Arzt schon eine Idee. Er würde der Gesellschaft gern etwas zurückgeben und könne sich vorstellen, in Corona-Impfzentren auszuhelfen, wird Mark S. in Medien zitiert. Er wolle als Wiedergutmachung für seine Vergehen in dieser Weise tätig werden und seinen reichen Erfahrungsschatz dem Anti-Doping-Kampf zur Verfügung stellen. „Ich kenne ja jetzt die Schnittstellen des Systems“, sagte der überführte Doping-Doktor. Er könne den Anti-Doping-Behörden Hinweise geben und auch bei der Prävention helfen. Doping sei seiner Erfahrung nach im Spitzensport weit verbreitet: „Es ist – verzeihen Sie den Begriff – ein Wettrüsten“. Den Kampf gegen dieses Wettrüsten wolle er am liebsten sofort aufnehmen, doch sei unklar, ob er überhaupt für die Nationale Anti-Doping-Agentur arbeiten dürfe. Zu Sportlern und Trainern dürfe er jedenfalls keinen Kontakt mehr haben, was er sehr bedauere.
Mark Schmidt

· deutscher Sportmediziner

· Mannschaftsarzt des Radsport-Teams "Gerolsteiner", bis zum dortigen Dopingskandal 2008

· Übernahme als Arzt ins Team "Milram", Entlassung nach Protesten

· 2012 Ermittlungsverfahren wegen Fall "Gerolsteiner", ohne Ergebnis eingestellt

· 2014 Weiterbildung zum "Sportmediziner", Betrieb einer "lizensierten sportmedizinischen Untersuchungsstelle" in Erfurt

· Lizenzentzug im Februar 2019 im Rahmen der Anti-Doping "Operation Aderlass"

· "Kunden": mindestens 21 Athleten, darunter Ex-Rad-Profi Danilo Hondo

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