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OECD: Österreich als Vorbild bei gemeinnützigem Wohnraum

© AFP 2022 / JOE KLAMARFrau vor dem Standort des Wiener Immobilienvermittler Wiener Wohnen (Archivbild)
Frau vor dem Standort des Wiener Immobilienvermittler Wiener Wohnen (Archivbild) - SNA, 1920, 15.12.2020
In der Bemühung, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, hat sich Österreich erneut hervorgetan. Lag das Land schon in der Vergangenheit EU-weit auf den vorderen Rängen bezüglich des Anteils an sozialem Wohnungsbau, wurde die österreichische Wohnungsgemeinnützigkeit nun explizit von der OECD als Best Practice Modell gelobt.
Bezahlbarer Wohnraum wird immer knapper in Europa und gerade in den Städten vollzieht sich diese Entwicklung rasant. In Großstädten wie Berlin ist es inzwischen ein gewohntes Bild, dass sich zu Wohnungsbesichtigungen lange Schlangen von Interessenten einfinden. Wer schließlich das Glück hat – häufig nach Monaten der Suche – einen Mietvertrag zu unterzeichnen, nimmt nicht selten Abstriche bei Lage und Lebensqualität in Kauf. Zudem zeigen Untersuchungen der letzten Jahre, dass immer mehr Haushalte bis zu der Hälfte ihres Einkommens für Wohnkosten aufwenden müssen. In der EU waren 2019 knapp mehr als ein Viertel aller Personen in privaten Mietverhältnissen durch die Wohnkosten überbelastet. Insgesamt gelten in der EU 156 Millionen Menschen als armutsgefährdet, wenn die Wohnkosten berücksichtigt werden.
Die Gründe dafür sind vielfältig. Zur künstlichen Verknappung des Wohnraums und der Preissteigerung auf dem Wohnungsmarkt tragen in den Großstädten internationale Finanzinvestoren bei, die Gebäude als Anlageprodukt erwerben. Ein bedenklicher Trend ist hierbei, dass Investoren Wohnungen zunehmend nicht mit der Absicht anschaffen, sie zu vermieten, sondern sie leer stehen zu lassen. Die erwartete Wertsteigerung der Immobilie ist das einzige Interesse der Investoren. In Paris sollen inzwischen sieben Prozent aller Wohnungen leer stehen, gut ein Drittel davon ist noch nicht einmal an das Elektrizitätsnetz angeschlossen. Ein weiterer Faktor in den europäischen Metropolen ist die touristische Kurzzeit-Vermietung von Wohnungen, die auf dem Wohnungsmarkt dadurch entsprechend fehlen.
Heinz-Christian Strache (Archivfoto)  - SNA, 1920, 11.12.2020
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Lösungsansätze in europäischen Großstädten

Der Bericht „State of Housing in the EU“ zeigt Lösungsansätze für die Wohnungsnot in verschiedenen Großstädten. So verschärfen zum Beispiel Amsterdam, Barcelona, Paris und Berlin die Regulierungen für Airbnb. Bei Quoten für geförderten Wohnungsbau dienen als Beispiele Wien, Barcelona und München. In zahlreichen Städten gibt es Investitionsprogramme für sozialen Wohnungsbau, verschärfte Mietpreisregulierungen greifen in Dublin und mehreren deutschen Städten. Helsinki und Brüssel stehen schließlich für Housing First und Programme zur Beendigung von Wohnungslosigkeit.
Der im Oktober 2019 in Brüssel vorgestellte Bericht macht außerdem deutlich: Innerhalb der EU gibt es große Unterschiede beim Anteil des Sozialen Wohnungsbaus. So sind das in Estland und Portugal gerade einmal zwei Prozent des gesamten Wohnungsstandes, und auch Deutschland steht mit drei Prozent nicht wesentlich besser da. Vorbildlich hingegen sind in dieser Hinsicht unsere Nachbarn Dänemark – mit 21 Prozent, Österreich – mit 24 Prozent und die Niederlande mit 30 Prozent.
Großes Lob für sein gemeinnütziges Wohnen erhielt Österreich nun auch von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die in der österreichischen Wohnungsgemeinnützigkeit ein Best Practice Modell sieht.

„Während es nicht das erste Mal ist, dass von internationalen Playern auf das österreichische Modell verwiesen wird, so ist es doch ein Unikum, dass die OECD nun konkrete Elemente der Wohnungsgemeinnützigkeit beschreibt und als Lösungsansätze vorschlägt.“

Bernd Rießland
Obmann des Österreichischen Verbands gemeinnütziger Bauvereinigungen

Österreichisches Modell ist kosteneffizient

Das österreichische Modell besticht durch seine Kosteneffizienz, denn das erwirtschaftete Kapital der Gemeinnützigkeit fließt zurück in die gemeinnützige Wohnungswirtschaft. Das erlaubt wiederum, neue Wohnungen zu bauen und bestehende instand zu halten.

„Die Sicherung eines funktionierenden Wohnungsmarktes durch das kostendeckende Angebot der GBVs senkt die Mieten erheblich. Um Wohnen für die Menschen leistbar zu machen zahlt Österreich fünf Prozent aller Mietaufwendungen an die Vermieter. Im EU-Durchschnitt zahlen die Staaten 18 Prozent also 3,5mal so viel an die Investoren und in einzelnen Ländern sogar von 27 Prozent bis 53 Prozent an Wohnzuschüssen, sogenannten Investorprämien. Das Marktsegment der GBV-Wohnungen ermöglicht also österreichischen Haushalten Wohnen in überdurchschnittlicher Qualität bei geringen Ausgaben der öffentlichen Hand“, resümiert Bernd Rießland.

Seit Anfang des Jahres sind bereits drei OECD-Berichte erschienen, die das System der österreichischen Wohnungsgemeinnützigkeit als Best Practice Modell beschreiben. Bei der diesjährigen Housing Europe Konferenz im Oktober hat OECD-Generalsekretär Angel Gurria in seiner Eröffnungsrede explizit auf Österreich verwiesen.
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