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Curevac ist auch im Startloch: 25 Prozent Fieber, 100 Prozent Antikörper

© AFP 2021 / THOMAS KIENZLEStandort des deutschen Pharmaunternehmens CureVAc in Tübingen
Standort des deutschen Pharmaunternehmens CureVAc in Tübingen - SNA, 1920, 15.12.2020
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Jetzt ist auch der mRNA-Impfstoff Curevac in Phase III. Aber was weiß man bereits über Nebenwirkungen, insbesondere bei Risikogruppen? Und sorgt dieser Kandidat für den Schutz, den er verspricht? Über den Zwischenstand aus den Phasen I und II hat SNA-News mit dem Studienleiter Peter Kremsner gesprochen.
Neben den Mitteln von Biontech und Moderna ist nun ein dritter mRNA-Impfstoff des Tübinger Biotech-Unternehmens Curevac in die Phase-III-Studie übergegangen. Seit Freitag rekrutieren die Forscher massiv Studienteilnehmer in Europa und Lateinamerika – über 35.000 sollen es werden. Doch was ist das Zwischenergebnis aus den Studienphasen I und II? SNA-News hat bei Peter Kremsner, Direktor des Instituts für Tropenmedizin an der Universität Tübingen und Leiter der Curevac-Studie nachgefragt.

Häufige Nebenwirkung: Fieber in 25 Prozent der Fälle

„Den Daten der Phase-I und Phase-II-Studie zufolge sieht es bislang gut aus. Wir haben keine schwerwiegenden Nebenwirkungen gesehen“, bemerkt Kremsner gegenüber SNA-News. Nebenwirkungen habe es allerdings, wie bei nahezu jeder Impfung gegeben, die je nach Alter und Geschlecht unterschiedlich ausgefallen sind.
Fast alle Geimpften haben dem Forscher zufolge Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Unwohlsein, Müdigkeit und Muskelschmerzen entwickelt. Recht häufig war zudem eine weitere Nebenwirkung: Fieber.
„Fieber als Nebenwirkung lag bei etwa 25 Prozent. Das dauert aber etwa acht bis zehn Stunden an. Man muss auch bedenken, dass wir bei 60 Prozent aus der Placebo-Gruppe Nebenwirkungen gesehen haben, die waren aber in der Regel weniger stark ausgeprägt. Fieber haben wir bei der Placebo-Gruppe aber nicht gesehen.“
Über die Altersgruppen hinweg habe man dagegen keine Unterschiede feststellen können. Die älteren Probanden hätten allerdings den Impfstoff etwas besser vertragen als die Jüngeren, umgekehrt aber auch eine etwas schwächere Immunantwort ausgebildet, da das Immunsystem im Alterungsprozess abbaut. Auch mit Blick Schockreaktionen von Allergikern auf den Impfstoff wie bei Biontech habe Curevac in seiner Studie nicht beobachtet.

100 Prozent Antikörperbildung

Was die Wirksamkeit des Impfstoffs betrifft, hat Kremsner klar positive Resultate zu vermelden: Bei einer zweimaligen Verabreichung von zwölf Mikrogramm des mRNA-Impfstoffs kam es bei allen Impflingen zur Bildung von Antikörpern gegen das Sars-Coronavirus-2.
Wie funktioniert der mRNA-Impfstoff?

Das Erbgut beziehungsweise DNA im Zellkern ist der Träger der genetischen Information. Alle Proteine, die die Zelle für unterschiedliche Prozesse einsetzt, sind dort in Form eines Codes festgehalten. Aber produziert werden sie außerhalb des Zellkerns.

Wird ein Protein benötigt, dann wird zunächst im Zellkern eine Abschrift des jeweiligen Gens angefertigt, die als „Messenger RNA“, „Boten-RNA“ oder kurz „mRNA“ bezeichnet wird. Diese mRNA verlässt den Zellkern, gelangt an kleine runde Strukturen, die als Ribosomen bezeichnet werden und dort wird anhand des RNA-Codes das jeweilige Protein produziert.

Der mRNA-Impfstoff-Ansatz bedient sich dieses Mechanismus, um die Zelle dazu zu bringen, Proteine zu produzieren, die eigentlich zur Oberfläche des Sars-Coronavirus-2 gehören, namentlich das sogenannte Spike-Protein. Es wird dazu ein mRNA-Strang, der die entsprechende Information trägt, in eine Fettschicht eingehüllt und solche Nanopartikel dem Geimpften in Muskelgewebe verabreicht.

Dort sollen die Fettschichten von mRNA-Teilchen und Körperzellen verschmelzen und die mRNA dann im Inneren die Produktion von Spike-Proteinen starten. Diese präsentieren die Zellen dann auf ihren Oberflächen, rufen damit das Immunsystem auf den Plan, das die pseudo-befallenen Zellen abtötet. Bricht nun eines Tages der wirkliche Erreger ein, dann erkennt das Immunsystem diesen und unterdrückt ihn im Keime, bevor die eigentliche Krankheit ausbrechen kann.

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Allerdings betont der Studienleiter auch, dass das nicht mit der Schutzwirkung des Impfstoffs gleichgesetzt werden darf. Erst wenn in großem Maßstab ausgewertet wird, wie viele solcher Probanden trotz vorliegender Antikörper über einen längeren Zeitraum an Covid-19 erkrankt sind, kann die Schutzwirkung angegeben werden, die sich bei Moderna und bei Biontech um 95 Prozent bewegen soll. Für Curevac ist sie bislang unbekannt, Kremsner erwartet hier aber ein ähnliches Ergebnis, da bei allen drei Herstellern nahezu „das Gleiche“ verabreicht wird – ein mRNA-Strang, der für das Spike-Protein des Sars-Coronavirus steht, das sich nur minimal in der Struktur unterscheidet.
Dosen für Corona-Vakzine von AstraZeneca - SNA, 1920, 14.12.2020
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Kleiner Betrieb spielt in der großen Liga

Auf die Frage, warum Curevac so deutlich später in die Phase-III übertritt als Moderna und Biontech, antwortet Kremsner: „Ich kann sie auch umgekehrt fragen: Warum ist es so schnell gegangen? Wir sind schneller als 300 andere, aber langsamer als etwa acht bis zehn. Jetzt kann man sagen, wir sind bei der Olympiade. Dann ist Dabeisein alles und wir sind auf jeden Fall dabei. Für ein gutes Ergebnis ist Platz zehn auch nicht schlecht, aber wenn man Medaillen will – dann haben wir verspielt.“
Aber abseits von Pharma-Olympiaden haben auch nicht alle dieselben Voraussetzungen gehabt.
„Bei denen, die jetzt ganz vorne sind, sind Firmen dabei wie Pfizer, die sich Biontech geholt haben, die können das natürlich, die haben das sehr oft gemacht, eine Medizin zuzulassen. Curevac ist halt ein kleiner, mittlerweile ein mittlerer Betrieb und da ist es schon eine Leistung, dass man überhaupt in dieser Liga mitspielt“, hebt der Studienleiter hervor.

Das Interview mit Peter Kremsner zum Nachhören:

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