Wenn der Arzt Corona-Leugner ist – Ärztekammern besorgt über die Tendenz

© REUTERS / HENDRIK SCHMIDTCorona-Pandemie in Deutschland (Archivbild)
Corona-Pandemie in Deutschland (Archivbild) - SNA, 1920, 14.12.2020
Quer durch die Bundesrepublik häufen sich Fälle von Medizinern, die die Existenz des Coronavirus leugnen, falsche Atteste ausstellen oder sich in der Querdenken-Bewegung engagieren. Prozentual gesehen sind die Zahlen zwar gering, doch die Ärztekammern nehmen die Tendenz ernst und ermuntern dazu, entsprechende Fälle zu melden.
Der Sächsischen Landesärztekammer (SLÄK) bereiten zunehmend Ärzte Sorgen, die entweder die Existenz des Coronavirus leugnen oder falsche Atteste zur Befreiung vom Tragen der Mund-Nasen-Bedeckung ausstellen. Insgesamt seien es bis zu 50 niedergelassene Ärzte, bestätigte SLÄK-Sprecher Knut Köhler gegenüber der Leipziger Volkszeitung. „Ein Arzt hat seine Tätigkeit an den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen auszurichten, den Infektionsschutz und die vorgeschriebenen Hygienemaßnahmen in der Praxis umzusetzen“, erinnerte die Landesärztekammer aus diesem Anlass. Auch „politisch-tendenziöses Infomaterial“, etwa in Form von ausgelegten Flyern, habe in einer Praxis nichts zu suchen. Köhler empfahl Patienten, bei Verstößen die betreffenden Ärzte beim zuständigen Gesundheitsamt zu melden.
Auch aus anderen Bundesländern sind Fälle von Corona leugnenden Ärzten bekannt geworden. So berichtete der Norddeutsche Rundfunk im November aus Niedersachsen, der dortigen Ärztekammer seien knapp 20 solche Fälle bekannt. Auf insgesamt 43.000 niedergelassene Ärzte kein hoher Anteil, jedoch würden immer wieder neue Hinweise von Patienten und anderen Ärzten eingehen. Die geschilderten Vorwürfe seien aus der Sicht der Ärztekammer nicht mit gewissenhaftem ärztlichen Verhalten vereinbar. Dem Bericht zufolge soll ein Allgemeinmediziner aus Leer falsche Atteste ausgestellt haben und regelmäßig bei Demonstrationen der Querdenken-Bewegung aufgetreten sein. Die Ärztekammer ermuntere Patienten, Strafanzeige zu stellen, wenn sich ein Arzt als Corona-Leugner entpuppe.
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Seit März sollen auch in Berlin Ärzte in 130 Fällen mit fragwürdigen oder falschen Behauptungen zu Covid-19 aufgefallen sein, teilte die Ärztekammer Berlin im November mit. Mehrere Fälle seien an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet worden. Dabei sei es beispielsweise darum gegangen, dass Ärzte ihre Patienten aufgefordert hätten, im Warteraum keine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen.

Maske tragen – „Bitte nicht in unserer Praxis“

In Oberbayern wird laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung derzeit geprüft, ob dem Altgöttinger Arzt Hans-Ulrich Mayr die Approbation entzogen wird. Mayr, der für die AfD im Altgöttinger Stadtrat sitze, sei mehrfach mit kontroversen Aussagen zum Coronavirus aufgefallen. Er soll eine Patientin im Seniorenheim behandelt haben, ohne einen Mundschutz zu tragen. Zudem habe er an seiner Praxistür ein Plakat angebracht mit der Aussage, es gebe keine Corona-Pandemie und PCR-Tests hätten keine Aussagekraft. „Wenn Sie weiter eine Maske tragen, sind Sie selber Schuld! Aber bitte nicht in unserer Praxis“, habe es darauf geheißen.
Seit einiger Zeit fallen auch drei Hamburger Ärzte immer wieder mit entsprechenden Inhalten auf Twitter auf. Walter Weber, Heiko Schöning und Olav Müller-Liebenau behaupten darin beispielsweise, das Tragen von Masken schütze nicht vor Ansteckung und Tests seien zu 85 Prozent falsch. Gemeinsam organisiert sind sie unter „Ärzte für Aufklärung“. Auf der zugehörigen Webseite beschreiben sie sich als „interdisziplinäre Arbeitsgemeinschaft von Ärzten und Wissenschaftlern, die der Öffentlichkeit ihre fachliche Expertise im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie zur Verfügung stellt“. Die „Ärzte für Aufklärung“ würden sich kritisch gegen Desinformation, Lobbyismus, Demokratieabbau, politische Willkür, gesellschaftliche Spaltung und Einschränkung von Grundrechten wenden, heißt es. In puncto Ausstellen von maskenbefreienden Attesten scheint die Gemeinschaft aber vorsichtig zu sein. In einem Hinweis auf der Startseite ist zu lesen:
„Bitte sehen Sie von Anfragen zu maskenbefreienden Attesten und/oder Empfehlungen für Ärzte hierzu ab. Wir dürfen und können hier nicht behilflich sein und bitten um Ihr Verständnis.“
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