OECD-Chef kritisiert Egoismus reicher Staaten: Corona-Impfstoffe fair verteilen

© REUTERS / BioNTech SE 2020, all rights reserved / HandoutWettlauf der Corona-Impfstoffe: Zu schnell und zu gefährlich?
Wettlauf der Corona-Impfstoffe: Zu schnell und zu gefährlich? - SNA, 1920, 14.12.2020
Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) wirft reichen Industrieländern puren Egoismus im Rennen um die Corona-Impfstoffe vor.
„Einige Länder haben viel zu viel Impfstoff, andere haben gar nichts“, sagte OECD-Generalsekretär Angel Gurría gegenüber der „Welt“ am Montag. „Warum denken wir nicht an die fünf Milliarden Menschen in ärmeren Ländern?“, fragte der 69-jährige ehemalige mexikanische Außen- und Finanzminister.
Die OECD umfasst 37 Mitgliedstaaten, die sich zu Demokratie und Marktwirtschaft bekennen.
Kanada habe sich 300 Millionen Impfdosen gesichert - für nur 40 Millionen Einwohner, kritisierte Gurría. Dies wäre deutlich zu viel Impfstoff, selbst wenn man einrechne, dass etwa bei dem neuen Impfstoff von Biontech und Pfizer nur zwei Dosen pro Person benötigt würden.
Die USA hätten 800 Millionen Impfdosen gekauft, für eine Bevölkerung von etwas mehr als 300 Millionen, monierte der OECD-Chef. Auch Deutschland hat dem Bericht zufolge insgesamt mehr Impfstoffe bestellt als gebraucht werden, auch wenn das Missverhältnis geringer sei als in den USA und Kanada.
Der Impfstoff müsse gerechter verteilt sein, sagte Gurría. „Das wäre klug für alle. Dieses Virus wird erst besiegt sein, wenn es überall auf der Welt besiegt ist.“
Die EU hat mit Biontech/Pfizer einen Liefervertrag über bis zu 300 Millionen Impfdosen geschlossen. Deutschland rechnet dem Gesundheitsminister Jens Spahn zufolge mit bis zu 100 Millionen Impfstoff-Dosen. Hinzu kommen Kaufverträge mit weiteren Impfstoff-Produzenten.
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