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„Fünf nach zwölf“: Wie Merkel und Medien das Weihnachtsfest demontieren

© REUTERS / MATTHIAS RIETSCHELCorona-Lockdown in Dresden, 14. Dezember 2020
Corona-Lockdown in Dresden, 14. Dezember 2020 - SNA, 1920, 14.12.2020
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Politik und Wissenschaft haben versagt: Der „Lockdown light“ erwies sich als Pfusch, die Leopoldina-Empfehlungen haben ihr Ziel als „Corona-Wellenbrecher“ verfehlt. Nun müssen die Medien die bittere „Shutdown“-Pille versüßen – und das tun sie auch, indem sie unter anderem die Bedeutung „des wichtigsten Festes“ relativieren.
Bestimmt kostete es Angela Merkel gewisse Überwindung, den strengen Lockdown zu verkünden, der wenige Tage vor Weihnachten beginnen soll. Nicht nur, weil sie damit das Versagen ihres „Lockdown light“ eingestehen, sondern auch weil sie als Pastorentochter diesen Schritt gewissermaßen als gottwidrig wahrnehmen musste.
Als sie am Sonntagmorgen die schicksalhaften Beschlüsse der Bund-Länder-Schalte präsentierte, wirkte sie denn auch ziemlich mitgenommen. „Gottesdienste sind nur unter engen Voraussetzungen möglich, wir werden dazu Gespräche mit den Kirchen führen, das wird das Bundesinnenministerium machen“, informierte sie die Presse mit blecherner Stimme und trockenem Blick. Mit Wehmut musste sie an ihren ehrwürdigen Vater gedacht haben, als sie Seelenhirte und Ordnungshüter quasi in einem Atemzug erwähnen musste.

Weihnachten „für fast 40 Prozent“ der Gesellschaft bedeutungslos?

Ansonsten wurde aber der religiöse Aspekt des „wichtigsten Festes des deutschen Volkes“ in den Lockdown-Beschlüssen in keiner Weise erwähnt. „Viele Deutsche kennen die Bedeutung des Christfestes gar nicht mehr“, konstatierte das Magazin „Focus“, „aber feiern ist wichtig.“
Weihnachtsbeleuchtung in Berlin - SNA, 1920, 12.12.2020
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Und zwar dermaßen wichtig, dass Leopoldina die ursprünglichen Anti-Corona-Empfehlungen mit den Weihnachtstagen als „Zielperspektive“ konzipiert hatte – es hieß, der „Lockdown light“ sei berufen, ein Corona-sicheres Feiern zu gewährleisten. Mittlerweile wird aber selbst die Tragweite der Heiligen Nacht für die deutsche Bevölkerung in Frage gestellt – und zwar auch in den Öffentlich-Rechtlichen. So behauptete Journalistin und Religionslehrerin Lamya Kaddor Ende November im ARD-Talk „Maischberger“, „für fast 40 Prozent“ der Gesellschaft in Deutschland bedeute Weihnachten so wenig, dass es nicht nachvollziehbar sei, warum ausgerechnet die Weihnachtstage als „Zielperspektive“ der neuen Kontaktbeschränkungen dienen sollen. Damit werde ein „nicht unerheblicher Teil dieser Gesellschaft“ ausgeschlossen. Für viele Zuschauer klang dies sicherlich wie eine überraschende, aber auch zweifelhafte und zweifellos entsetzliche Offenbarung.

„Politik kann sich nicht übernehmen“

„Sind wir als Deutsche so speziell bei unserer Fokussierung auf diese drei Tage?“ lautete die Frage bei der ZDF-Talkshow „Maybrit Illner“ letzte Woche. „Mir kommt das schon so vor“, meinte Svenja Flaßpöhler, Chefredakteurin des „Philosophie Magazins“. „Ich arbeite sehr viel mit Franzosen zusammen, und die können es nicht so richtig nachvollziehen, warum dieses Weihnachten jetzt DAS große Thema ist und wieso man jetzt unbedingt eine Pause vom Lockdown braucht.“ Auch Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer, bezeichnete diese Fokussierung als „irrational.“
Apropos „irrational“: Bei „Anne Will“ ging es am Sonntagabend darum, inwieweit die jüngsten Einschränkungen, die nun auch zu Weihnachtszeit gelten sollen, mit dem realen Leben und den Gepflogenheiten der deutschen Bevölkerung vereinbar sind. Nach Ansicht von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet sei es im Endeffekt egal, was die Politik beschließt: Die Bevölkerung werde den Verordnungen kein Gehör schenken, sollten diese „nicht die Lebenswirklichkeit in Deutschland“ treffen. „Politik kann sich auch nicht übernehmen“, behauptete der Möchte-gern-Kanzlerkandidat der CDU. „80 Millionen Menschen an Weihnachten vorschreiben, wie das zu gehen hat – wie soll das denn gehen?“ Und: „Wir können Verordnungen schreiben, wie wir wollen. Wenn die Menschen das nicht akzeptieren, dann werden wir das nicht schaffen.“

„Es ist fünf nach zwölf“

Es gilt also die „Alarmstufe Rot“ – eine „chinesische Lösung“ käme aber für das liberale Deutschland nicht in Frage, hieß es letzte Woche bei „Maybrit Illner“. „Die entscheidende Frage ist: Können wir das, was totalitäre und autoritäre Staaten unter Einschränkung aller Freiheiten erreichen können, mit der Gesellschaft und mit den Bürgern auf einem anderen Wege erreichen?“ formulierte Peter Altmaier das Gebot des Tages.
Für Uwe Janssens, Präsident des Deutschen Intensivärzteverbandes, sind aber die am dritten Advent beschlossenen Verhärtungen sehr wohl eine „Reißlinie“ für die Gesellschaft. Und da klingt für ihn Bayerns Ministerpräsident Markus Söder als Corona-„Hardliner“ nicht hart genug, als er die jetzige Pandemie-Situation in Deutschland als „fünf vor zwölf“ beschreibt: „Wir aus der Intensivmedizin sagen, es ist fünf nach zwölf.“ Denn viele Intensivstationen befinden sich nach seiner Einschätzung bereits seit Wochen an der Überlastungsgrenze. „Wir haben schon Mitte November gewusst, dass es jetzt so kommen wird“, fügte er bei „Anne Will“ hinzu. „Die gut gemeinten Warnungen sind nicht ernst genug genommen worden.“
Klinik in Berlin   - SNA, 1920, 12.12.2020
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Mehr noch: Janssens war am Sonntagabend auch derjenige, der davor warnte, den 10. Januar – bis zu diesem Termin soll nämlich der jetzige Lockdown vorerst gelten – als den Endpunkt des „Leidensweges“ in Aussicht zu nehmen. Es stünden mindestens drei oder vier Monate voller Entbehrungen bevor, damit „wir Ende 2021 nicht nur Licht am Horizont haben, sondern die Sonne ist aufgegangen“.
So musste Deutschland, das sich selbst 2020 über weite Strecken als erfolgreicher Corona-Bekämpfer wahrgenommen hatte, Mitte Dezember feststellen, dass es ausgerechnet am Vorabend des Weihnachtsfestes ziemlich kläglich dasteht. Die Politik scheint in vieler Hinsicht versagt zu haben, die Wissenschaft, auf die sich die Politik weitgehend gestützt hatte, anscheinend auch. Trösten können sich die deutschen Politikerinnen und Politiker auf jeden Fall damit, dass sich die Bundesbürgerinnen und Bundesbürger bis zum heutigen Zeitpunkt überaus brav und loyal gezeigt haben. Die „Querdenker“ und sonstige Corona-Skeptiker sind – in erster Linie dank der dominierenden Medienpolitik – ziemlich weit an den Rand des Geschehens zurückgedrängt, alle Umfragen zeugen davon, dass eine große Mehrheit die Verhärtung der Maßnahmen begrüßt beziehungsweise auch nicht hart genug findet.
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