„Times“ schreibt über „zweiten Giftanschlag“ auf Nawalny

© AFP 2022 / JOHN MACDOUGALLNotaufnahme der Berliner Charite-Klinik, wo Alexei Nawalny behandelt wurde
Notaufnahme der Berliner Charite-Klinik, wo Alexei Nawalny behandelt wurde - SNA, 1920, 13.12.2020
Die britische Zeitung „Times“ behauptet mit Verweis auf anonyme Quellen in den deutschen Geheimdiensten, man habe Alexej Nawalny auch zum zweiten Mal in Russland zu vergiften versucht. Dies sei während seines Aufenthalts in einem Krankenhaus in Omsk geschehen, wo er in ein künstliches Koma versetzt wurde.
„Wie uns Quellen in westlichen Geheimdiensten mitteilten, waren verdächtige Mitarbeiter der staatlichen Sicherheitsorgane nach dem missglückten ersten Tötungsversuch darum bemüht, mit der Tötung zu Ende zu kommen – mit einer zweiten Giftdosis, bevor es gelang, ihn an einen sicheren Ort in Berlin zu bringen“, schreibt die Zeitung, ohne Personen und Behörden beim Namen zu nennen.
Mitarbeiter der deutschen Geheimdienste hätten diese Informationen ihren Kollegen in Großbritannien mitgeteilt, so das Blatt. Man habe versucht, Nawalny zu vergiften, als er auf seinen Abflug nach Deutschland vorbereitet worden sei, hieß es. Die Zeitung erbringt jedoch keine Belege für diese Behauptung.
"Dies war mit der Erwartung getan worden, dass er (Nawalny) zu dem Zeitpunkt seiner Ankunft in Berlin tot sein werde“, zitiert die Zeitung eine anonyme Quelle. In Beantwortung dieser Beschuldigung sagte der russische Präsident Wladimir Putin, hätten die Behörden jemanden vergiften wollen, hätten sie diese Person kaum zur medizinischen Behandlung nach Deutschland fliegen lassen.
Außenpolitischer Sprecher der AfD-Fraktion Armin-Paulus Hampel - SNA, 1920, 09.12.2020
Außenpolitischer Sprecher der AfD-Fraktion Hampel in Moskau: Nawalny, Corona, Querdenken – Exklusiv
Erst am Freitag hatte der russische Präsident Wladimir Putin eine ausführliche Erläuterung zu der Weigerung Deutschlands gegeben, an den Ermittlungen zu dem Vorfall mit Nawalny mitzuwirken.
Putin verwies bei einem Treffen mit den Mitgliedern des Menschenrechtsrates darauf, dass zu dem Fall ermittelt werde und die deutsche Seite bis jetzt kein offizielles schriftliches Gutachten zu ihrer Untersuchung geschickt habe. Russische Experten würden trotz zahlreicher Anträge nicht zu den Ermittlungen im Ausland zugelassen. Da Berlin keine notwendigen Materialien zur Verfügung gestellt habe, sei auch kein Strafverfahren in Russland angestrengt worden, so Putin.
Die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) teilte im Oktober mit, dass in den Blut- und Urinproben des russischen Bloggers und Kreml-Kritikers Alexej Nawalny Giftspuren festgestellt worden seien, welche auf einen der Nowitschok-Gruppe ähnlichen Nervenkampfstoff schließen ließen. Dieser soll jedoch nicht in der Chemiewaffenkonvention gelistet sein. Die Untersuchung beruhte demnach auf eigenen Analysen der OPCW und soll mit den Befunden der Spezial-Labore in Deutschland, Frankreich sowie in Schweden übereingestimmt haben.
Der Entwickler des Kampfstoffs „Nowitschok“, Leonid Rink, hatte im Gespräch mit Sputnik die Version einer Vergiftung Nawalnys mit „Nowitschok“ oder einem anderen toxischen Stoff ausgeschlossen, weil der Blogger in einem solchen Fall nicht hätte überleben können. Die aufgetretenen Symptome dürften eher für akute Pankreatitis oder andere Erkrankungen der inneren Organe sprechen, so Rink.

Hintergund

Alexej Nawalny war am 20. August auf einem Inlandsflug (Tomsk – Moskau) zusammengebrochen. Er wurde zunächst in einem Omsker Krankenhaus behandelt und dort in ein künstliches Koma versetzt. Basierend auf den Ergebnissen der Untersuchungen nannten die Omsker Ärzte als Hauptdiagnose eine Stoffwechselstörung, die eine starke Veränderung des Blutzuckers verursacht hatte.
Der 44-Jährige wurde später auf Drängen seiner Familie in die Berliner Universitätsklinik Charité verlegt. Anfang September wurde Nawalny aus dem Koma geholt und bereits am 23. September aus der Berliner Charité entlassen.
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