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Biomasse aus Russland: Uran-Unternehmen mischt auf Markt für Holzpellets mit

© AFP 2021 / SEBASTIEN SALOM-GOMISHolzpellets (Archivbild)
Holzpellets (Archivbild) - SNA, 1920, 12.12.2020
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Russland hat vor kurzem 3000 Tonnen Holzpellets nach Italien exportiert, die nächsten 3000 folgen noch im Dezember. Das Kuriose daran: Verkauft hatte den Heizstoff das russische Uran-Unternehmen Uranium One. Warum?
Zu den erneuerbaren Energiequellen zählen nicht nur Sonne, Wind, Wasser und Erdwärme. Manche zählen Kernkraft dazu, andere lassen sie links liegen. Doch neben diesen Quellen gibt es noch eine andere nachhaltige Energiequelle, die auf dem Prinzip der Kreislaufwirtschaft beruht: Biomasse, die aus nachwachsendern Rohstoffen besteht, die zur Beimischung für Treibstoffe oder zum Heizen genutzt werden.
Die Idee dahinter ist einfach: Was geerntet wird, hat vorher CO2 gebunden und darum setzt man nie mehr bei der Verbrennung frei als zum Beispiel ein Forst oder ein Rapsfeld gebunden hat. Die Nachteile sind auch hinlänglich bekannt: Biomasse tritt in Konkurrenz mit Nahrungsmittelerzeugung und wenn Wälder schneller gefällt werden, als sie nachwachsen, dann kann von einer Null unterm Strich auch nicht die Rede sein.
So oder so, bei der Holzverarbeitung in den Forstwirtschaften fällt laufend Biomasse in Form von Holzspänen und Sägemehl an. Diesen sonst ungenutzten Rohstoff pressen immer mehr Länder in sogenannte Pellets und bieten sie als Alternative zu Kohle zum Befeuern von Heizöfen an. Auf diesem Markt mischen die USA, Kanada, Deutschland, aber auch Russland mit. Erst kürzlich hat das waldreiche Land 3000 Tonnen dieses Heizstoffs nach Italien importiert, verkauft vom Unternehmen Uranium One, das zu den großen Playern im Uranabbau zählt und zum Staatsunternehmen für Kernenergie, Rosatom gehört. SNA-News hat sich darüber gewundert und beim Geschäftsführer von Uranium One, Andrej Nikolajewitsch Schutow, nachgefragt.
- Herr Schutow, warum haben Sie sich ausgerechnet für Holzpellets entschieden und was hat Biomasse mit der Arbeit von Uranium One zu tun?
Das ist ein sehr aussichtsreicher Markt, der jedes Jahr Wachstum zu verzeichnen hat. Der Weltbedarf an Holzpellets beträgt derzeit 35 Millionen Tonnen im Jahr. Der größte Verbraucher ist Westeuropa, insbesondere Großbritannien, Deutschland, Dänemark. Es wachsen aber auch die Bedürfnisse von Japan und Südkorea. Zum Jahr 2030 wird ein Wachstum auf 100 Millionen Tonnen jährlich erwartet. Zum großen Teil wird dieser Verbrauch von Industrieunternehmen abgedeckt, die durch Subventionen begünstigt auf „grüne“ Stromquellen umsteigen.
Biomasse gehört zu den erneuerbaren Energiequellen, weil hier als Heizstoff verarbeitete biologische Abfälle zum Einsatz kommen und nebenbei die Frage nach der Verwendung der Abfälle aus der Forst- und Agrarwirtschaft, von Lignin und Torf, gelöst wird. Auf diese Weise befördert Uranium One im Rahmen der Strategie von "Rosatom" zur Entwicklung von kohlenstoffarmen Energien und erneuerbarer Energiequellen einen verantwortungsvollen Umgang mit den Ressourcen und vernünftige Einsatzmodelle, wodurch die Entwicklung ökologisch ungefährlicher abfallfreier Technologien begünstigt wird.
- Seit wann ist Uranium One auf diesem Markt aktiv?
Im Jahr 2019 haben wir den Markt mit festen Bioheizstoffen erschlossen. Die ersten Pilot-Zustellungen wurden erfolgreich durchgeführt und mittlerweile schließen wir Verträge von über fünf Millionen Euro ab. Das Portfolio von Uranium One für 2021 beträgt jetzt schon 60 tausend Tonnen.
- Wie werden die Pellets hergestellt?
Die Pellets werden aus den Abfällen der Forstwirtschaft hergestellt: aus Sägemehl, Holzspänen und dergleichen. In Russland fallen jährlich um die acht Millionen Tonnen Späne an. Diese müssen fachgerecht gesammelt, weiterverarbeitet, verpackt und zertifiziert werden. Heute werden Sägespäne und Sägemehl als Abfälle betrachtet und nicht ökonomisch weiterverwertet, obwohl sie einen wertvollen Rohstoff darstellen.
- Inwiefern ist Russland auf diesem Markt konkurrenzfähig?
Aus logistischer Sicht ist Russland sehr gut mit den regionalen Schlüssel-Absatzmärkten verbunden. Noch gibt es im Land keinen großen Koordinator, der den Markt systematisiert und kleinen und mittelständischen Unternehmen hilft, eine internationale Zertifizierung zu durchlaufen und Verkäufe zu organisieren. Deswegen liegt Russland bei einem Anteil von lediglich sieben Prozent am Welthandel von Pellets, aber das Potential ist deutlich höher.
Die russischen Produkte, die Uranium One nach Europa zustellt, weisen ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis auf, was uns erlaubt, auf dem Markt mit anderen ausländischen Unternehmen zu konkurrieren. Zu unseren Plänen gehört es auch, die Zusammenarbeit mit itelienischen Kunden weiterzuentwickeln. Im Dezember bereits planen wir eine zweite Zustellung.
-Wie ist es zum Interesse aus Italien gekommen und warum hat der Markt sich dort ausgerechnet für Biomasse aus Russland entschieden?
Über 50 Prozent des europäischen Markts stellen Pellets dar, die zum Heizen von Wohnhäusern eingesetzt werden. Dieser Markt ist verhältnismäßig stabil, wenn man ihn mit dem Markt für Pellets für die industrielle Wärme- und Stromerzeugung vergleicht (Anm. d. Red.: wenn etwa Kohlekraftwerke auf Pellets umgestellt werden). Italien und Deutschland stellen derzeit die am schnellsten wachsenden Märkte in diesem Bereich dar. Der italienische Markt hat ein stabiles Wachstum zu verzeichnen. Als treibende Kraft wirkt hier die Idee der „grünen“ Energie und der Marktumfang beträgt zweieinhalb Millionen Tonnen. Den italienischen Markt bedienen wir über unsere Partner, die die Verteilung der Pellets in Europa übernehmen.
- Welche Voraussetzungen müssen Unternehmen erfüllen, damit die Pellets auch wirklich mit dem Gedanken der Nachhaltigkeit übereinstimmen?
Uranium One hat im Jahr 2019 zwei Zertifikate erhalten, die eine Voraussetzung für den Eintritt in den europäischen Biomasse-Markt sind: das FSC-Zertifikat, das die Einhaltung von Anforderungen rund um einen verantwortungsvollen Umgang mit Holzprodukten bestätigt und das SBP-Zertifikat, das für eine energieeffiziente und ökologische Produktion aus Biomasse steht. Für unsere Kunden ist es sehr wichtig, dass unsere Produkte über alle notwendigen Zertifikate verfügen.
© Foto : Uranium OneAndrej Nikolajewitsch Schutow
Andrej Nikolajewitsch Schutow  - SNA, 1920, 10.12.2020
Andrej Nikolajewitsch Schutow
Andrej Nikolajewitsch Schutow verfügt über 15 Jahre Erfahrung in der Rohstoffförderung. 2006 bis 2010 war er Geschäftsführer der „Ural Platina Holding“ GmbH und leitete die Bergbau-Abteilung der Unternehmensgruppe „Renowa“. Im Zeitraum 2001 bis 2006 leitete er Projekte im Bereich Aluminiumerzeugung und Maschinenbau an. Andrej Schutwo ist Absolvent der Staatlichen Technischen Universität Moskau im Gebiet Maschinenbau und hat eine Ausbildung im Bereich Business-Einschätzung und Antikrisen-Leitung in einer höheren Finanzschule abgeschlossen.
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