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Lafontaine schießt gegen „ratlose Corona-Kanzlerin“ Merkel und fordert „endlich verlässliche Zahlen“

© AFP 2021 / JOHN MACDOUGALLEin Techniker arbeitet am 10. Dezember 2020 in der Konzerthalle der Treptower Arena in Berlin, die derzeit zu einem von sechs temporären Impfzentren für die Bevölkerung inmitten des Coronavirus umgebaut wird, an einem Display, auf dem angegeben ist, ob eine Impfkabine besetzt oder frei ist.
Ein Techniker arbeitet am 10. Dezember 2020 in der Konzerthalle der Treptower Arena in Berlin, die derzeit zu einem von sechs temporären Impfzentren für die Bevölkerung inmitten des Coronavirus umgebaut wird, an einem Display, auf dem angegeben ist, ob eine Impfkabine besetzt oder frei ist. - SNA, 1920, 11.12.2020
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Anders als viele Medien zeigt sich der prominente Linkspolitiker Oskar Lafontaine wenig begeistert vom Auftritt der Bundeskanzlerin Merkel am Mittwoch im Bundestag. Statt emotionaler Reden wünschte er sich eine Lehre aus den Erfahrungen, zu der Merkel und ihre „Corona-Paladine“ offenbar nicht fähig seien.
Wenn wir jetzt vor Weihnachten zu viele Kontakte hätten und anschließend es das letzte Weihnachten mit den Großeltern gewesen sei, dann würden wir etwas versäumt haben, sagte etwa Merkel im Bundestag, als sie für einen harten Lockdown plädierte. Sie glaube an die Kraft der Aufklärung und an die wissenschaftlichen Erkenntnisse, die real seien und an die man sich besser halten sollte. Angela Merkel habe im Bundestag eine ihrer besten Reden gehalten, lobte die Berliner Zeitung. Angela Merkel bitte eindrucksvoll um Vertrauen, legte der NDR nach.
Der Punkt von Lafontaine dagegen: „Diese emotionale Rede hilft uns nicht weiter“. In einem Facebook-Kommentar unter dem Titel „Corona-Kanzlerin hilflos“ hält der 77-Jährige der Kanzlerin und ihren „Corona-Paladinen von Spahn und Söder bis Lauterbach“ vor, weder eine Vorsorge im Frühjahr einschließlich der Masken, Intensivbetten und Atemgeräte getroffen zu haben, noch rechtzeitig eingegriffen zu haben - schon als China dicht gemacht habe, noch eine langfristige Strategie entwickelt zu haben. „Als die Erkältungssaison kam, waren die Verantwortlichen wieder nicht vorbereitet. Überfüllte Schulbusse und nicht vorhandene Luftfilteranlagen sind die Beispiele“, so Lafontaine.
Sein Vorschlag: Das Versäumte sofort in Angriff zu nehmen, und zwar endlich repräsentative Untersuchungen mit verlässlichen Zahlen zu liefern.
Vor diesem Hintergrund kritisiert er „das Starren“ auf die Inzidenzzahl, also, wie viele von hunderttausend Einwohnern sich innerhalb von sieben Tagen angesteckt haben. Die Zahl sei nur bedingt brauchbar. „Wenn wir andere Erkältungsviren ebenso verfolgen würden, zum Beispiel bei Grippe oder Lungenentzündung, könnten die Medien auch jeden Tag hohe Zahlen melden“, behauptet Lafontaine. Auch müsste man für seine Begriffe dem Ratschlag eines Teils der Mediziner oder etwa dem des Virologen Hendrik Streeck folgen und sich auf die Zahl der belegten Intensivbetten und Beatmungsgeräte konzentrieren und vor allem die Alten und Kranken schützen. Der Plan, die Alten, vor allem die in den Alten- und Pflegeheimen, besonders zu schützen, werde aus seiner Sicht „sträflich vernachlässigt“. Als Vorbild nennt er dafür Tübingen, wo es laut dem Oberbürgermeister Boris Palmer dank der Vorsorge in neun Altenheimen seit Mai keine Corona-Fälle mehr gibt. Nicht zuletzt wirft Lafontaine den erwähnten Politikern aus der Bundesregierung das „Kaputtsparen des Gesundheitssystems“ vor. Die Pflegekräfte würden immer noch fehlen und „Merkel und Co“ hätten nichts unternommen, um den Engpass zu beseitigen, so der Politiker.

„Hätten wir solide repräsentative Zahlen darüber, wo sich die Leute anstecken, dann könnte man auch den Lockdown soweit notwendig auf der Grundlage von Daten steuern und begrenzen. Die liegen aber unverzeihlicherweise bis heute nicht vor“.

Oskar Lafontaine
Politiker (die Linke)

Angela Merkel im Bundestag

Während der Generaldebatte im Bundestag zum Bundeshaushalt 2021 hatte Merkel am Mittwoch vor allem auf der Notwendigkeit weiterer Kontaktbeschränkungen bestanden. Die seit dem 2. November geltenden Maßnahmen konnten der Bundeskanzlerin zufolge das dramatische exponentielle Wachstum der Neuinfektionen zwar stoppen, doch die gewünschte Trendumkehr ist ausgeblieben. Und da die Fallzahlen nun so hoch seien, so viele Menschen intensivmedizinisch behandelt oder gar sterben würden, müssten die Kontakte weiter reduziert werden, wie etwa die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina das fordere, und zwar bereits ab dem 14. Dezember die Kontakte im beruflichen wie im privaten Bereich auf das absolute Mindestmaß zu verringern. 2016 forderte die Leopoldina allerdings noch, dass von den 1.600 Allgemein-Krankenhäusern nur 330 übrigbleiben sollten.
Bundeskanzlerin Angela Merkel hält im Bundestag am 9. Dezember 2020 eine Rede. - SNA, 1920, 09.12.2020
„Trennlinie zur AfD“? Merkel stellt Kritikern von Corona-Maßnahmen ihren DDR-Hintergrund entgegen
Ein offizieller Beschluss für einen bundesweiten harten Lockdown liegt noch nicht vor. Dennoch stimmen schon einzelne Ministerpräsidenten ihre Länder auf die kommenden harten Kontaktsperren ein. Der regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, erwartet etwa einen Drei-Wochen-Lockdown schon ab dem 20. Dezember.
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