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Buchungstrick bei Klimazielen? Greenpeace-Chef warnt vor „Betrug am Klima“

© AP Photo / Czarek SokolowskiCO2-Emissionen (Symbolbild)
CO2-Emissionen (Symbolbild) - SNA, 1920, 10.12.2020
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Beim Pariser Klimaschutzabkommen 2015 einigten sich die Vereinten Nationen auf eine Erderwärmung von maximal zwei Grad. Davon sind sie noch weit entfernt. Laut einem UN-Bericht steuern sie aktuell auf drei Grad Temperaturanstieg zu. Das Papier warnt vor einer „Eklatant unzureichenden" Klimapolitik.
Die guten Nachrichten zuerst: Noch können die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens eingehalten werden. Wenn die Wiederaufbauprogramme für die Wirtschaft im Zuge der Corona-Pandemie auf Klimaschutz setzen würden, könnte der bisher für 2030 absehbare Treibhausgas-Ausstoß bis zu einem Viertel niedriger ausfallen und die Welt damit dem sogenannten Zwei-Grad-Ziel näherbringen. Das steht in einem am Mittwoch veröffentlichten UN-Bericht.

Welt steuert auf drei Grad Klimaerwärmung zu

Die Vereinten Nationen warnen aber auch in diesem Bericht: die Welt hinkt den Zielen des Pariser Klimaschutzabkommens hinterher und kann diese nur noch mit großer Anstrengung erreichen. Bisher steuerten die Staaten weiterhin auf etwa drei Grad Temperaturanstieg zu.
Der jährlich erscheinende „Emissions Gap Report“ ermittelt die „Lücke“ zwischen den Zielen, zu denen sich die Staaten im Rahmen des Pariser Klimaabkommens verpflichtet haben, und was sie tun müssten, damit diese auch erreicht werden. Trotz jüngster Ankündigungen großer Emittenten ihre Emissionen zu senken, bezeichnet der Bericht die konkreten Zusagen als „eklatant unzureichend“.
Die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad würde laut Klimaforschung das Risiko katastrophaler Wetterextreme deutlich verringern. Diese sei zwar noch erreichbar, wie das UN-Umweltprogramm Unep erklärt, aber dafür brauche es schnelleren und stärkeren Klimaschutz, „grüne“ Wirtschaftsprogramme und die Pläne zur Klimaneutralität müssten in die offiziellen nationalen Zusagen im Rahmen des Pariser Abkommens integriert werden.

„65 Prozent weniger Treibhausgase in der EU nötig“

Deswegen fordert die Umweltschutzorganisation „Greenpeace“ auch von der Europäischen Union mehr Ehrgeiz beim Klimaschutz. Der Chef von Greenpeace Deutschland, Martin Kaiser, warnte vor dem Brüsseler EU-Gipfel am Donnerstag vor „Betrug am Klima“. „Um eine Begrenzung der Erderhitzung auf 1,5 Grad mit großer Wahrscheinlichkeit zu erreichen, wären 65 Prozent weniger Treibhausgase in der EU nötig“, sagte Kaiser der Deutschen Presse-Agentur (DPA).
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Die EU-Kommission und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) wollen auf dem Gipfel ein Ziel von mindestens 55 Prozent weniger CO2 bis 2030 festschreiben. Bislang ist das offizielle Ziel der EU ein Minus von 40 Prozent. Ungewiss ist, ob alle 27 Mitgliedsstaaten die strengeren Vorgaben mittragen werden.

Merkel trägt „Besondere Verantwortung“

Aus Sicht von Greenpeace trägt Merkel besondere Verantwortung.
„Die Kanzlerin muss jetzt zeigen, auf welcher Seite der Geschichte sie beim Klimaschutz stehen will“, sagte Kaiser laut DPA. „Sie hält die Ratspräsidentschaft, sie kennt die Fakten. Sie kann jetzt nicht wieder einem mageren Kompromiss gegen die Atmosphäre zustimmen.“
Laut Kaiser würde die EU sich das neue Klimaziel schönrechnen: „Es kann nicht sein, dass jetzt ein Netto-Ziel beschlossen wird, bei dem Wälder mit eingerechnet werden“, sagte er. Dann würden aus den 55 Prozent weniger Treibhausgasen in Wirklichkeit nur etwa 50,5 Prozent. „Dieser Buchungstrick wäre ein Betrug am Klimaschutz.“ Wälder müssten geschützt werden, dürften aber nicht das große Klimaziel verwässern.

Nationale Regierungen könnten sich hinter europäischem Ziel verstecken

Der Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen im Europaparlament Sven Giegold kritisierte darüber hinaus, dass sich die EU-Staaten das neue Ziel nur „kollektiv“ vornehmen, aber keine nationalen Klimaziele festlegten. Dies sei ein Skandal.
„Ohne nationale Klimaziele können sich nationale Regierungen hinter dem europäischen Ziel verstecken“, warnte der Europaabgeordnete.
Widerstand gegen das neue Ziel wird vor allem aus Osteuropa erwartet. „Wenn die Regierungen von Ungarn und Polen blockieren, dann sollten die anderen 25 Staaten über einen Beschluss der Umweltminister zeigen, dass sie vorangehen“, so Kaiser bei der DPA.
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