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Tesla stoppt Rodung wegen Zauneidechsen und Schlingnatter – Naturschutzbund Brandenburg

© REUTERS / HANNIBAL HANSCHKERodungen für die Tesla-Gigafactory in Brandenburg am 8. Dezember 2020
Rodungen für die Tesla-Gigafactory in Brandenburg am 8. Dezember 2020 - SNA, 1920, 09.12.2020
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Seit Dienstag ruhen Teslas Kettensägen in Brandenburg. Der Autobauer musste die Rodung von weiteren 82,9 Hektar Wald unterbrechen, weil zwei Umweltverbände einen Eilantrag vor Gericht gestellt hatten. Ursache: ungenügender Artenschutz.
Was konkret der Autoriese aus Sicht der Umweltverbände im Brandenburgischen Ort Grünheide derzeit falsch macht – darüber hat SNA-News mit Christiane Schröder, der Landesgeschäftsführerin von dem Naturschutzbund Nabu Brandenburg, gesprochen.
- Frau Schröder, Nabu Brandenburg hat gemeinsam mit der Grünen Liga mit einem Eilantrag die Rodungen für den Bau des Teslawerks in Grünheide vorerst gestoppt. Was war denn die Ursache für diesen Eilantrag?
Die Hauptursache dafür war, dass wir hier sehr massive Mängel im Umgang mit dem Artenschutz sehen, was insbesondere die Zauneidechse und die Schlingnatter angeht. Es ist immer und überall üblich, dass mindestens eine Vegetationsperiode lang die Tiere abgefangen werden. In Grünheide soll das Ganze innerhalb von zwei Monaten funktioniert haben, was aus ökologischen Gründen vollkommen unmöglich ist.
- Nun geht es um über 80 Hektar Waldfläche. Kommen die Tiere hier nur an bestimmten Stellen oder überall vor?
Das gilt nicht für die gesamte Fläche, aber es gilt vor allen Dingen für die Fahrwege und die offeneren Bereiche. Und natürlich sind die jetzt auch durch die Fällmaßnahmen besonders betroffen, weil das die Bereiche sind, über die dann die schweren Maschinen sehr regelmäßig drüberfahren.
Die im Bau befindliche Tesla-Fabrik in Grünheide bei Berlin - SNA, 1920, 08.12.2020
Tesla muss in Grünheide Waldrodung zunächst einstellen
- Das klingt ja nach etwas, das man kennen oder abgemacht haben sollte. Welche Zugeständnisse hat denn Tesla in diese Richtung gemacht und inwiefern hat das Unternehmen sie jetzt doch nicht eingehalten?
Das sind Sachen, die man eigentlich weiß und schon länger weiß. Warum dann tatsächlich erst Ende Juli angefangen wurde, die Tiere abzufangen – kann ich schlecht beurteilen. Warum Tesla sich darauf eingelassen hat, dass in eine so kurze Periode zu legen. Unser Problem ist aber auch, dass hier so getan wird, als hätte man das in zwei Monaten schaffen können und überhaupt nicht damit umgegangen wird, dass hier mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit noch eine ganze Reihe von Tieren auf der Fläche sind und nun getötet werden.
- Was wäre denn das richtige Vorgehen von Tesla in dieser Situation? Bis Juli 2021 mit den Rodungen warten?
Das wäre wahrscheinlich zum Schutz der Tiere die beste Variante. Aber so blauäugig sind wir dann auch nicht, dass wir glauben, dass das politisch, ökologisch und ökonomisch machbar ist. Natürlich könnte Tesla jetzt deutlich mehr zum Ausgleich der jetzt getöteten Tiere machen und in umgebenden Bereichen bessere Aufwertungs- und Unterstützungsmaßnahmen für diese Arten umsetzen, damit in den Bereichen in den nächsten zwei, drei Jahren die Populationen den Verlust der Tiere wieder ausgleichen können.
- Wie sehen denn solche Aufwertungen aus?
Die Zauneidechsen und die Schlingnatter haben ganz bestimmte Lebensraumansprüche, dass sie sowohl besonnte offene Bereiche brauchen als auch verschiedene Versteckmöglichkeiten; sowohl im Sommer als auch im Winter frostsichere Rückzugsbereiche, wo sie sich relativ tief in den Boden zurückziehen können. Das sind Sachen, die kann man tatsächlich manuell vorbereiten durch entsprechende Einbauten in Wiesen. Dass man Steinschüttungen anlegt, dass man Totholz-Haufen anlegt. Man kann da einiges tun, um den Tieren dann auch die Möglichkeit zu geben, sich entsprechend frostsicher zu verstecken und damit besser den Winter zu überstehen und im Frühjahr besser wieder starten zu können und eine neue Population aufzubauen.
- Vor kurzem wurde auch von Tesla bekannt gegeben, dass auf der Fläche die weltgrößte Batteriefabrik entstehen soll. Das hat aber jetzt nicht mit dem Rodungsstopp zu tun?
Nein. Diese Batteriefabrik wird ja nochmal eines eigenen emissionsschutzrechtlichen Verfahrens bedürfen. Und wenn Tesla doch die Idee hat, das jetzt ins aktuelle Verfahren mit reinzunehmen, dann wird es definitiv eine neue Auslegung geben und einen neuen Erörterungstermin. Das ist aber ein gesondertes Verfahren, das nichts mit den aktuellen Maßnahmen zu tun hat.
- Vielleicht noch eine Frage zur Zauneidechse und Schlingnatter: Sind diese generell in der Region stark gefährdet oder kommen da selten vor?
Das muss man differenziert sehen. Die Zauneidechse ist relativ weit verbreitet in Brandenburg, aber eigentlich überall insbesondere durch Baumaßnahmen, insbesondere Baumverlust, stark bedroht. Und die Schlingnatter ist ein sehr seltenes Reptil, nicht nur in Brandenburg, sondern überhaupt und lebt sehr zurückgezogen und versteckt. Sie braucht ihrerseits wieder Zauneidechsen als Nahrungsgrundlage, sodass sich da der Kreis schließt, weswegen insbesondere die Schlingnatter eine besondere Aufmerksamkeit braucht.
- Haben Sie denn schon irgendeine Rückmeldung von Tesla bekommen?
Wir haben aktuell nur eine Rückmeldung vom Landesumweltamt bekommen. Tesla hatte noch einmal Zeitaufschub bis heute um 10:00 bei Gericht beantragt und auch genehmigt bekommen. Die Erwiderung liegt mir aktuell noch nicht vor.
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