Schützt Maskenpflicht vor Corona? Deutsche Forscher stellen erste „systematische“ Studie vor

© AFP 2022 / TOBIAS SCHWARZBundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesinnenminister Horst Seehofer tragen Gesichtsmasken während einer Sitzung im Bundestag am 26. November 2020 in Berlin
Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesinnenminister Horst Seehofer tragen Gesichtsmasken während einer Sitzung im Bundestag am 26. November 2020 in Berlin - SNA, 1920, 09.12.2020
Deutsche Wissenschaftler haben im US-Fachmagazin PNAS die Ergebnisse ihrer Studie zur Wirksamkeit des Mundschutzes in der Corona-Pandemie veröffentlicht. Verglichen wurde dabei der Anstieg der Neuinfektionen nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKi) in Regionen mit Masken und in Regionen ohne Masken. Die Ergebnisse wirken ermutigend.
So soll das Tragen von Mundschutz in Deutschland die Zahl der registrierten Neuinfektionen mit schwerem akutem respiratorischem Syndrom abhängig von der Region um 15 bis 74 Prozent reduziert haben, und das in den ersten 20 Tagen nach der obligatorischen Einführung der Maskenpflicht im April. Als konkretes Beispiel haben die Forscher Jena angeführt, das am 6. April als die erste deutsche Stadt die Maskenpflicht im öffentlichen Raum eingeführt hatte. „Nachdem zwischen dem 1. April und dem 10. April 2020 Gesichtsmasken obligatorisch wurden, ging die Zahl der Neuinfektionen fast auf Null zurück“, so die Forscher.
Insgesamt haben sie nach eigenen Angaben mit der Methode synthetischer Kontrollgruppen Daten für 401 Gemeindebezirke in Deutschland analysiert, um die Auswirkungen der Maskenpflicht auf die Entwicklung der registrierten Infektionen mit Covid-19 abzuschätzen. Der Anspruch und das Ziel der Studie war, die Auswirkung des Mundschutzes auf die Ausbreitung von Covid-19 erstmals systematisch zu analysieren. Nach Abwägung verschiedener Schätzungen sind die Forscher zu dem Schluss gekommen, dass 20 Tage nach der Einführung der obligatorischen Gesichtsmasken die Zahl der Neuinfektionen im Durchschnitt um rund 45 Prozent reduziert wurde.
Ferner heißt es:

„Durch die Einführung obligatorischer Gesichtsmasken und das damit verbundene Signal an die lokale Bevölkerung, das Risiko einer Beziehung von Mensch zu Mensch ernst zu nehmen, wurde die Ausbreitung von Covid-19 bedeutend reduziert.“

Die Betrachtung der durchschnittlichen Behandlungseffekte für alle anderen Regionen lasse dieses Ergebnis in eine gewisse Perspektive rücken. Die Verringerung der täglichen Wachstumsrate von Infektionen betrage nur 14 Prozent. „Wenn wir uns dagegen auf größere Städte konzentrieren, stellen wir eine Verringerung der täglichen Wachstumsrate von Infektionen um etwa 47 Prozent fest.“
Da Gesichtsmasken eindeutig nicht die einzigen Corona-Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit waren, versichern die Forscher, die Zeiträume, in denen einzelne Maßnahmen eingeführt worden seien, so aussortiert zu haben, dass sie tatsächlich den Effekt nur durch die Masken nachverfolgen gekonnt haben. Aus den angeführten Datentabellen für Jena und Thüringen gehe dabei hervor, dass die angebrachten Studienergebnisse tatsächlich die Auswirkungen von Gesichtsmasken und nicht anderer Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit erfassen würden.
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Die Autoren der Studie haben sich nach eigenen Angaben auf die Daten des RKI zwischen dem 28. Januar und dem 11. Mai gestützt. Hiermit gibt die Studie allerdings keine Erklärung zu der aktuellen Rolle der Maskenpflicht in der Pandemie-Bekämpfung. Auch sprechen die Forscher mit überwiegend wirtschaftlich-statistischem Hintergrund nur bedingt andere Faktoren, abgesehen von den staatlichen Maßnahmen, an, die auf die epidemiologische Lage hätten Einfluss nehmen können. Die vorgeführten Vergleiche sollen lediglich überprüfen, ob andere Städte, die am 6. April keine Gesichtsmasken eingeführt hatten, zu einem bestimmten Zeitpunkt dann dennoch einen ähnlichen Rückgang der Zahl der registrierten Covid-19-Fälle verzeichnet haben wie Jena. „Wenn dies der Fall gewesen wäre, könnte der Behandlungseffekt eher durch andere latente Faktoren als durch Gesichtsmasken verursacht worden sein“, geben die Forscher zu. Solche latenten Faktoren könnten mit der makroregionalen Dynamik von Covid-19 in Deutschland zusammenhängen. Welche Städte von diesen anderen latenten Faktoren betroffen wurden, geht aus dem veröffentlichten Artikel jedoch nicht hervor.
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