Auch Generäle haben Träume – Ein 50000er Sprint mit dem Frachtriesen An-124

© SNA / Alexander KriaschewFrachtflugzeug An-124
Frachtflugzeug An-124 - SNA, 1920, 09.12.2020
Eine sowjetische An-124 flog vor 30 Jahren über den Süd- und Nordpol um die Erdkugel. In gut 72 Stunden legte das Transportflugzeug 50005 Kilometer zurück – ein Rekord neben vielen, die bei diesem Flug aufgestellt wurden. Vor allem aber war die Erdumrundung die Erfüllung eines Traums.
Als Junge hatte er Geschichten über tollkühne Piloten verschlungen, als Offiziersanwärter studierte er Luftfahrt, als General testete er die schweren Bomber der Sowjetunion und leitete schließlich die luftfahrttechnische Versuchsanstalt Waleri Tschkalow. Hier begann Generalleutnant Lew Koslow, dem Namensgeber der Versuchsanstalt verpflichtet, mit der Verwirklichung seines langgehegten Traums.
1986 war General Koslow zusammen mit einem Kollegen in einer Tu-95 entlang der sowjetischen Grenzen geflogen. Nach 33 Stunden und zwei Luftbetankungen war die Sowjetunion umrundet – für Koslow nicht genug. Der General fasste das damals weltgrößte Flugzeug ins Auge: 1987 stellte die sowjetische Luftwaffe den Frachter An-124 in Dienst. Damit die Sowjetunion umrunden? Das ist kalter Kaffee, das hatte ein Kollege schon erledigt. Koslow dachte an einen Sprint rund um die Welt.
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Über den Nord- und Südpol zu fliegen und den Äquator an exakt zwei Stellen, dem 0. und dem 180. Grad, zu durchqueren, war sein Plan. Das Verteidigungsministerium und der Luftwaffenstab waren einverstanden, aber das Kerosingeld für die Erdumrundung sollte General Koslow selber auftreiben.
Er fand tatsächlich einen Sponsor – in Australien: Ein Geschäftsmann wollte 166.000 Dollar spenden unter der Voraussetzung, dass sein 12-jähriger Sohn mitfliegen darf. Außerdem sollten Start- und Endpunkt der Aktion im australischen Melbourne liegen. Das sowjetische Außenministerium stimmte die Route ab: Von Australien aus über die Antarktis nach Rio de Janeiro – nachtanken – weiter nach Marokko – wieder nachtanken – über den Nordpol zur Kamtschatka – nachtanken – und zurück nach Melbourne.
Eine An-124 mit der Bordnummer 05-07 war auf die Expedition vorbereitet worden; am 1. Dezember 1987 startete die Maschine am Flughafen Melbourne und nahm Kurs auf die Antarktis. An Bord des Frachtriesen: Zwei Besatzungen, die sich alle acht Stunden abwechseln sollten, und 24 Passagiere – Gäste des Sponsors, Techniker, andere Generäle.
„Von Melbourne aus weiterzufliegen, war schon eine Herausforderung“, erzählte eine Teilnehmerin des Rekordflugs. „Dieser Abschnitt war der längste: 18 Stunden ohne Zwischenlandung, und der schwierigste. Der Flug verlief fernab der internationalen Routen, kaum Kommunikationseinrichtungen, so gut wie keine Notlandeplätze.“
90 Prozent der Route verliefen über Wasser, also keine Anhaltspunkte für die Navigation. Weitere Etappen führten über die menschenleere Antarktis. Nach acht Flugstunden erreichte die An-124 den Südpol – ein abrupter Schwenk und die Maschine nahm Kurs auf Brasilien. In Rio de Janeiro aufgetankt, flog das riesige Transportflugzeug weiter Richtung Nordafrika.
„In Marokko wurde die Maschine bis an den Tankstutzen vollgetankt. 220 Tonnen Kerosin statt der üblichen 200 Tonnen. Die Piloten nahmen an, dass sie auf der Kamtschatka wegen schlechten Wetters nicht landen können würden. Sie hatten recht, wie sich herausstellte“, erzählt die Teilnehmerin.
Kurz vor dem Nordpol erreichte eine Unwetterwarnung für die Kamtschatka die Besatzung. Infolge eines Schneesturms war die Landebahn in Petropawlowsk dermaßen zugeweht, dass die Mannschaften sie vor der Ankunft der An-124 unter keinen Umständen hätten freiräumen können.
Der nächste Flughafen, der sich bereit erklärte, die schwere Transportmaschine aufzunehmen, lag an die 2000 Kilometer weiter südwestlich. Es war ein Fliegerhorst bei Wladiwostok, auf dem General Koslow einst gedient hatte. Auch dort hatte es geschneit, aber die Führung mobilisierte alle verfügbaren Kräfte, um die Landepiste von den Niederschlägen zu befreien. Um drei Uhr früh landete die An-124 dort.
Wieder auftanken, dann die letzte Etappe: zurück nach Melbourne. Auf dieser Route passierte die An-124 den 180. Grad auf dem Äquator, flog an einem Taifun über dem Pazifik vorbei und landete um 21 Uhr 30 in Australien. Den Rekordflug widmete Lew Koslow dem 70-jährigen Bestehen der Versuchsanstalt, die er leitete.
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