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Deutschland gegen Spanien: Bundestrainer Jogi Löw zur historischen 0:6-Klatsche

© REUTERS / MARCELO DEL POZOBundestrainer Jogi Löw beim Spiel gegen Spanien
Bundestrainer Jogi Löw beim Spiel gegen Spanien - SNA, 1920, 08.12.2020
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Bundestrainer Joachim „Jogi“ Löw äußerte sich am Montag erstmalig zur historischen 0:6-Niederlage der deutschen Fußball-Nationalelf gegen Spanien. SNA hat die Pressekonferenz verfolgt. „Nicht nur wegen Corona ist das ein schwieriges Jahr“, sagte Löw. Gleichzeitig warnte er vor zu hohen Titel-Erwartungen bei der Europameisterschaft (EM) 2021.
„Löw, tritt zurück!“ und „Gleich den ganzen DFB entlassen“ waren die ersten Live-Kommentare auf einem bekannten Videoportal-Anbieter, die beim Verfolgen der aktuellen Pressekonferenz von Bundestrainer Jogi Löw am Montagnachmittag zu lesen waren.
Kein Wunder, steht der langjährige Chef-Trainer der deutschen Elf – der seit 2014 keinen Titel mehr gewinnen konnte – doch nicht erst seit der bitteren wie historischen 0:6-Klatsche Deutschlands gegen die spanische Nationalelf unter Dauerbeschuss und im Kreuzfeuer der Kritik.
Nun äußerte er sich vor Auslosung der Qualifikations-Gruppen zur Weltmeisterschaft (WM) 2022 in Katar am Montagabend in den Räumlichkeiten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Frankfurt am Main. Löw sagte eingangs zu der Sechs-Tore-Niederlage seiner Mannschaft gegen Spanien im November:
„Wer mich kennt, weiß, dass ich konstruktiver Kritik immer ganz offen gegenüberstehe und mich mit dieser natürlich auch auseinandersetzen kann.“
Er stelle sich Kritikpunkten, die Öffentlichkeit, Medien und Fußballfans nicht erst seit der 0:6-Niederlage formulieren, betonte er. „Zunächst waren interne Gespräche anberaumt. (...) Die Wut brodelt auch in mir noch.“ So wie im gesamten Team. „Wir haben aber sofort mit der intensiven Aufarbeitung des Spieles begonnen.“ Diese Methode sei gängige Praxis im DFB-Lager, ebenso wie zusätzliche interne Gespräche auf Führungsebene.

Statt „emotionaler Distanz“ Wut und Enttäuschung

Löw nahm Bezug auf eine Pressemitteilung des DFB, aus der er zitierte:
„Der Trainer braucht eine emotionale Distanz, steht da. Das war für mich unverständlich. Ich bin schon lange dabei und habe schon viele Dinge erlebt. Eines ist klar: Grade nach so einem Spiel wird intern mit der Aufarbeitung begonnen. Wir waren enttäuscht.“
Ob Löw Zweifel „am eigenen Kurs“ gehabt habe nach dem Spanien-Debakel, fragte ein Sportreporter der Nachrichten-Agentur DPA per Videoschalte. Der Bundestrainer, frühere Vereinscoach vom SC Freiburg, dem VfB Stuttgart oder auch dem FC Winterthur in der Schweiz dazu:
Vor dem Hintergrund vielfältiger Erfahrungen als Chef-Trainer der deutschen Elf seit 2008 beziehungsweise sogar schon seit der Heim-WM 2006 „lernt man mit so einer Situation umzugehen. Nach diesem 0:6 waren wir sehr enttäuscht und – wie gesagt – auch wütend.“

„Von diesem Weg sind wir überzeugt“

Der aktuelle Umbruch, sprich die Verjüngung der deutschen Nationalmannschaft, sei bereits seit fast zwei Jahren im Gange. Dies nannte Löw als einen Grund für das momentan sportlich schlechte Abschneiden. „Aber wir sind absolut überzeugt von diesem Weg, den wir eingeschlagen haben. Wir wussten dennoch, dass es Rückschläge geben wird.“
„Unterschiedliche Aufstellungen, unterschiedliche Belastungen, keine Trainingseinheiten – das macht es natürlich schwierig“, schob er hinterher. Auch wenn dies keine Entschuldigung für die spanische Packung sein solle, sagte Löw.
Das Vertrauen in die teils sehr jungen Nationalspieler sei „absolut vorhanden. Wir hatten 2019 insgesamt ein gutes Jahr und haben uns sehr gut entwickelt.“ Als Beispiel nannte er die erfolgreich absolvierte Gruppe zur EM-Qualifikation. Diese Gruppe mit den Niederlanden, Belarus, Nordirland und Estland gewann Deutschland souverän.

Stagnation im Krisenjahr

Pandemie-bedingt habe es – und nicht nur bei Trainingseinheiten – wiederholt Schwierigkeiten gegeben, so der Bundestrainer. Im aktuellen Krisenjahr stagniere die Entwicklung des DFB-Teams. Aber:
„Im Moment befindet sich die Mannschaft – wenn man von dem Spanien-Spiel absieht – auf einem guten Weg.“
Selbstkritik, auch im Trainer-Team, werde offensiv gelebt. „Dass es Schwierigkeiten gibt, ist klar. Ich verstehe die Wut der Fans. Trotz allem: „Von diesem Weg sind wir überzeugt.“

Über EM-Titel

Um die Frage, ob dieser dargestellte Weg auch zum EM-Titel im nächsten Jahr führen werde, druckste Löw zunächst herum. Danach antwortete er so:
Bei einem Turnier kann immer viel passieren. Und im Vorfeld über Titel zu reden, ist schwierig“, meinte der Bundestrainer. „Der Anspruch bei einem Turnier ist vorhanden, der ist immer da. Wir wollen das Maximum erreichen, was in unseren Möglichkeiten steckt. Häufig ist uns das gelungen. Es gab aber auch Turniere wie 2018, da ist uns gar nichts gelungen.“
Die Europameisterschaft 2021 wird, erstmalig in dieser Form, im großen europäischen Staatenverbund ausgetragen. Gruppenspiele finden etwa in Deutschland, Russland, Dänemark, England, Schottland, Italien oder Spanien statt – um nur einige Austragungsorte zu nennen.

„Loddars“ kritischer Blick

Rekordnationalspieler und Fußballexperte Lothar Matthäus – seit langem bekannt als zumindest Löw-Skeptiker – meldete sich vor wenigen Tagen auf dem Sport-Privatsender „Sky“ zu Wort. Im Gesprächsduell mit Oliver Bierhoff, Ex-Nationalspieler und Direktor der Nationalmannschaften und Akademie beim DFB sowie enger Vertrauter von Löw bei der Nationalelf, betonte Matthäus:
„Ich sehe nicht nur als Experte, dass Löw eine andere Körpersprache hat. Er ist nicht mehr der, den wir kennen“, so der frühere Libero und Weltmeister von 1990.
„Es darf jeder seine Meinung haben“, konterte Europameister und DFB-Funktionär Bierhoff. „Als Experte kann man heute der Meinung sein und morgen wieder eine andere haben.“

Spanische Tore

Am 17. November verlor Deutschland sein Spiel gegen Spanien in Sevilla mit 0:6 im Rahmen der „Uefa Nations League“. Eine historische Niederlage, denn in dieser Höhe verlor die deutsche Elf zuletzt 1931.
Die spanischen Tore erzielten dabei Alvaro Morata (aktuell Juventus Turin), der das Führungstor bereits in der 16. Minute schoss. Für die Iberer erhöhten danach der dreifache Torschütze Ferran Torres (Manchester City), Rodri (FC Granada) sowie Mikel Oyarzabal (Real Sociedad).
„Wir haben das Spiel zusammen komplett vergeigt. Die Körpersprache, die Kommunikation – das ist alles zu wenig gewesen“,
sagte Deutschlands Torwart Manuel Neuer (FC Bayern München) gegenüber der „Sportschau“ direkt nach Abpfiff, nachdem er den Ball sechsmal aus dem eigenen Netz fischen musste.
Zuletzt gewann Deutschland 2014 bei der WM in Brasilien den Weltmeistertitel. Bei der darauffolgenden WM 2018 in Russland schied die DFB-Elf als Titelverteidiger sang- und klanglos in der Vorrunde aus.
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