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Große Fragen zu deutschem Corona-Impfstoff: erstmals mRNA überhaupt und miese Chancen auf Normalität

© AFP 2021 / JEFF J MITCHELLEine Krankenschwester bereitet am 8. Dezember 2020 im Louisa Jordan Hospital in Glasgow eine Dosis des Pfizer-BioNTech Covid-19-Impfstoffs zur Imfung vor
Eine Krankenschwester bereitet am 8. Dezember 2020 im Louisa Jordan Hospital in Glasgow eine Dosis des Pfizer-BioNTech Covid-19-Impfstoffs zur Imfung vor - SNA, 1920, 08.12.2020
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Langsam werden die Deutschen auf die ersten Impfungen gegen Covid-19 im Januar vorbereitet. Wer für sich eine Entscheidung dazu trifft, sollte aber die Informationsmängel hinnehmen. SNA bietet einen Überblick.
Sollte der mRNA-Impfstoff gegen Covid-19 von Biontech/Pfizer mit dem Namen BNT162b2 wie geplant bis zum 29. Januar von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) zugelassen werden, könnten die ersten Impfungen in Deutschland schon im Januar stattfinden. Die Impfung bleibt freiwillig, heißt es, aber nur wenige werden sie erstmal bekommen.

Wer sind diese Glückspilze und zugleich Risikotragenden?

„Wie im Bevölkerungsschutzgesetz angelegt, hat die Ständige Impfkommission (STIKO) eine Empfehlung zum Einsatz eines Corona-Impfstoffes abgegeben“, gibt der Sprecher des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG), Sebastian Gülde, gegenüber SNA bekannt. Es folge jetzt ein dreitägiges Stellungnahme-Verfahren, das am Donnerstag abgeschlossen sein werde. Dann werde auch die Empfehlung veröffentlicht. „Auf Basis dieser Empfehlung erstellt das Bundesministerium für Gesundheit eine Rechtsverordnung. Diese Rechtsverordnung soll noch im Dezember veröffentlicht werden“, erklärt Gülde.
Laut einer RKI-Empfehlung sollen im ersten Schritt Bewohner von Senioren/Pflegeheimen geimpft werden, dann (in Reihenfolge) Menschen über 80 Jahre alt, Personal mit hohem Expositionsrisiko (Notaufnahmen), Personal mit engem Kontakt zu vulnerablen Gruppen (Transplantationsmedizin), Pflegepersonal in der ambulanten und stationären Altenpflege bzw. Personal in Heimen mit Kontakt zu BewohnerInnen. Das wären ungefähr 8,6 Millionen Menschen.
Weiter schreibt etwa das „Ärzteblatt“ unter Berufung auf den vorliegenden Entwurf für die STIKO-Empfehlungen, die Impfung soll zunächst Personengruppen an­geboten wer­den, die ein besonders hohes Risiko für schwere oder tödliche Verläufe einer Covid-19-Erkrankung hätten.
Wenn man bedenkt, dass die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna trotz der jahrzehntelangen Forschung an der Technologie die ersten zugelassenen mRNA-Impfstoffe überhaupt sein werden, drängt sich die Frage nach den Risiken durch den Impfstoff für die Risikogruppen auf.
Vakzination gegen Coronavirus mit einem BioNTech-Impfstoff - SNA, 1920, 08.12.2020
RKI empfiehlt: In dieser Reihenfolge soll die Bevölkerung geimpft werden
Wie sicher bzw. gefahrlos ist der Impfstoff für Alte und Kranke?
Bisher hat Biontech nur sehr wenige Details zu den erforschten Altersgruppen bekannt gemacht, in der Pressemitteilung zum Abschluss der dritten Testphase zwar, dass 41 Prozent der weltweiten Studienteilnehmer und 45 Prozent der amerikanischen Studienteilnehmer im Alter von 56 bis 85 Jahren waren. Der Impfschutz bei Erwachsenen über 65 Jahren soll dann laut Biotech bei bei über 94 Prozent liegen.
Jedoch bleibt immer noch unklar, wie viele von den Probanden über 80 Jahre alt waren oder schwere Vorerkrankungen hatten. Wahrscheinlich gilt auch hier das EMA-Prinzip für die schnelle Impfstoff-Zulassung: Hauptsache, der potenzielle Nutzen der Impfung ist größer als das dadurch entstehende Risiko.
Auf die Nachfrage von SNA, ob die STIKO für ihre Empfehlungen anders als die Öffentlichkeit über genügende Informationen zu den höheren Altersgruppen verfügt, äußerte die RKI-Sprecherin Susanne Glasmacher mit der Bitte um Verständnis, dass die STIKO-Empfehlungen noch nicht veröffentlicht seien. Welche Daten die STIKO ausgewertet habe, werde in der Empfehlung stehen, so Glasmacher.

Impfen, selbst wenn man schon an Covid-19 erkrankt war?

Viele haben seit Anfang des Jahres die Erkrankung bzw. eine Infizierung mit Covid-19 hinter sich gebracht und nehmen wohl an, sie seien immun. Aber für wie lange? Kein Forscher geht wohl von einer lebenslangen Immunität aus: es könnte ein Jahr sein oder nur ein paar Monate - in manchen Fällen waren Menschen schon nach zwei Monaten wieder erkrankt. Ob bei einer Impfung mit der Immunität medizinische Komplikationen auftreten könnten?
Laut dem BMG-Sprecher Gülde müssen diejenigen, die eine Infektion mit Covid-19 nachweislich durchgemacht haben (positive PCR), zunächst nicht geimpft werden. Ob, und wenn ja, wann Personen mit nachgewiesenermaßen durchgemachter Covid-19-Infektion ggf. später eine Impfung angeboten werden sollte, sei noch nicht entschieden, so Gülde. Auch die STIKO hat noch keine Hinweise darauf, dass eine Impfung ein Risiko darstellt, wenn jemand das Virus bereits hatte. Hiermit kommt die Notwendigkeit, jeden Impfling vorher auf eine überstandene Infektion bzw. auf Antikörper zu testen, nicht in Frage.

Weitergabe des Virus nicht verhindert?

Erst sorgte der Pfizer-Geschäftsleiter Albert Bourla mit einem kürzlichen NBC-Interview für Aufruhr. Bourla sei sich nicht sicher, ob ihr Impfstoff, nämlich BNT162b2, die Übertragung von Covid-19 auf andere Menschen verhindere. Das sei etwas, was noch untersucht werden müsste, so Bourla. Doch widerspricht das Gesagte denn nicht den Angaben von Biontech, dass die Impfstoff-Wirksamkeitsrate bei über 95 Prozent liege und in der Testphase drei bei über 43.000 Probanden nur acht Covid-19-Fälle in der Impfstoffgruppe aufgetreten sind? In anderen Fällen soll ja nach Biontech-Angaben nicht einmal eine Erkrankung in milder Form auftreten.
Auf eine entsprechende SNA-Anfrage vom Montag hat Biontech noch keine Antwort geliefert. Der STIKO-Vorsitzende Thomas Mertens hat jedoch in einem Deutschlandfunk-Interview bereits bestätigt, dass es tatsächlich noch unklar sei, ob geimpfte Menschen das Virus nicht mehr übertragen würden. Da bei Impfstoffen die Vermeidung von Krankheit im Vordergrund stehe, werde in der Regel keine ganz sterile Immunität erreicht, also man vermeide nicht 100-prozentig die Infektion, so Mertens. Also keine schnelle Rückkehr zur Normalität. Die fehlenden Daten werfen hiermit auch dunkles Licht auf die Pläne einiger Fluggesellschaften, eine Art Fliegen nur mit Impfung zu organisieren.

Gibt es unabhängige Studien zu den Impfstoffen?

Nicht nur zu dem russischen Vektor-Impfstoff „Sputnik V“ gibt es bisher keine bekannten unabhängigen Studien außer den Veröffentlichungen in „The Lancet“ zu den ersten zwei Etappen der klinischen Studien. Auch die deutschen zu Impfenden sind in der Sache Vertrauen eher auf die Informationen der Entwickler angewiesen. Bisher haben Biontech/Pfizer im November die Zwischenergebnisse der dritten Testphase zu BNT162b1 nur in einer Pressemitteilung bekannt gegeben, mit der Angabe, die erste Zwischenanalyse in der damals noch laufenden Phase-3-Studie sei von einem externen, unabhängigen Data Monitoring Committee (DMC) am 8. November 2020 durchgeführt worden. Doch die Daten selbst sind noch nicht veröffentlicht worden. Nur die ersten vorläufigen Ergebnisse von 60 Teilnehmern wurden zu BNT162b2 Ende September in der Zeitschrift „Nature“ veröffentlicht. Moderna dagegen veröffentlichte Mitte Juli erste Ergebnisse in der Fachzeitschrift „New England Journal of Medicine“.
Nahaufnahme eines Magnetsystems - SNA, 1920, 08.12.2020
Russische Physiker entwickeln einzigartiges kontaktloses Magnetlager

Und die Nebenwirkungen…

Laut dem Leiter des Paul-Ehrlich-Instituts, also des Bundesinstituts für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel, Klaus Cichutek, sollen bei den angesprochenen mRNA-Impfstoffen keine anderen Nebenwirkungen auftreten als üblich bei Impfungen: vorübergehende Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schmerzen an der Injektionsstelle, leichtes Fieber, Muskelschmerzen. Doch bedenken muss man, dass es mit dem Impfstoff angesichts des Zeitmangels nur kurzfristige Erfahrungen von drei bis vier Monaten gab. Laut Biontech hatten sich dabei bei mehr als zwei Prozent der Probanden schwere Nebenwirkungen gezeigt. 3,8 Prozent der Probanden litten demnach unter Müdigkeit und Erschöpfung, zwei Prozent klagten über Kopfschmerzen. Diese seien vor allem nach der zweiten Impfdosis aufgetreten.
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