Studie: Querdenker wählen Grüne und Linke und in Zukunft AfD

© AFP 2022 / TOBIAS SCHWARZQuerdenken-Proteste vor dem Bundestag in Berlin, 18. November 2020
Querdenken-Proteste vor dem Bundestag in Berlin, 18. November 2020 - SNA, 1920, 07.12.2020
Forscher von der Universität Basel haben erstmals die Sozialstruktur und das Wahlverhalten der Anhänger der Querdenken-Bewegung analysiert. Die Ergebnisse sind verblüffend.
Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) berichtet, hat der Soziologe Oliver Nachtwey von der Universität Basel erstmals eine Studie geleitet, in der die Sozialstruktur der Anhänger der Querdenker-Bewegung erfasst werden soll. Noch sind die Ergebnisse der nicht-repräsentativen Studie nicht publiziert.
Der FAZ gegenüber fasste Nachtwey die Ergebnisse aber bereits zusammen:
"Bei der letzten Bundestagswahl haben nach unserer Befragung 21 Prozent die Grünen und 17 Prozent die Linke gewählt. Der AfD haben 14 Prozent ihre Stimme gegeben. Bei der nächsten Bundestagswahl wollen nun aber 30 Prozent der AfD ihre Stimme geben", sagte Nachtwey der FAZ.
"Es ist eine Bewegung, die mehr von links kommt, aber stärker nach rechts geht, sie ist jedoch enorm widersprüchlich.", so die Einschätzung des Soziologen.
Die Forscher aus Basel hatten für ihre Studie Teilnehmer von Querdenker-Chatgruppen im Kommunikationskanal „Telegram“ befragt. Insgesamt konnten sie so 1150 Fragebögen auswerten, die von den Chatteilnehmern ausgefüllt wurden. Insgesamt sind mehr als 100.000 Querdenker in solchen Chatgruppen organisiert. Damit erfüllt die Befragung streng genommen nur die wissenschaftlichen Kriterien einer „deskriptiven statistischen Auswertung“.

Alt und gebildet

Neben dem Wahlverhalten wurde auch die Sozialstruktur der Querdenker analysiert. Tendenziell sind sie älter und akademisch gebildet, Das Durchschnittsalter betrage 47 Jahre, 31 Prozent hätten Abitur, 34 Prozent einen Studienabschluss, der Anteil Selbstständiger sei deutlich höher als in der Gesamtbevölkerung, schreibt die FAZ.

Rechtsextrem?

Aktuell hat der Vorsitzende der Innenministerkonferenz (IMK), Georg Maier die Querdenker-Bewegung verurteilt. Maier schätzt, dass ein Drittel von ihnen Rechtsextremisten sind. Es seien auch Impfgegner und Verschwörungstheoretiker dabei, bei denen die Grauzone hin zum Rechtsextremismus beginne, so Maier gegenüber der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Der Verfassungsschutz müsse die „Querdenken“-Bewegung überprüfen, erklärte der SPD-Politiker.
Die Ergebnisse der Studie der Wissenschaftler aus Basel können dies allerdings so nicht bestätigen. Autoritäres Denken, Fremdenfeindlichkeit oder die Verharmlosung des Nationalsozialismus sei unter den Anhängern der Bewegung weniger verbreitet, sagte Nachtwey der FAZ. Allerdings gäbe es bei bestimmten Verschwörungstheorien unter Anhängern der Querdenker „antisemitische Vorurteile“.

Eher grün, als braun

Die Querdenker tendieren laut der Studienergebnisse eher zur „Naturromantik“: 41 Prozent der Befragten vertrauen, laut Nachtwey ihren "Gefühlen mehr als Institutionen und Experten". Es gäbe unter Querdenkern auch ein starkes Interesse an alternativen Heilmethoden.
Typisch für die Bewegung seien auch eine Entfremdung von den politischen Institutionen, den etablierten Medien und den alten Volksparteien.
Die Querdenker demonstrieren seit Monaten in erster Linie gegen die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung. Die Forscher um Nachtwey befürchten nun, dass die Querdenker in den nächsten Wochen und Monaten, ihren Protest auf die anstehenden Corona-Impfungen verlegen werden.
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