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Verlernte Lektionen von Nürnberg: Wer profitiert vom Umschreiben der Geschichte

© AP Photo / STRNürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher, 1948
Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher, 1948 - SNA, 1920, 07.12.2020
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Der Bericht "Verlernte Lektionen von Nürnberg" wurde in Moskau vorgestellt. Die Autoren analysieren moderne Praktiken der Manifestation des Neonazismus in verschiedenen Ländern sowie die Gründe für die "Vergesslichkeit auf Massenebene" jener Tragödie, die die Welt während des Zweiten Weltkrieges erlebt hat.
Russland hat der Generalversammlung der Vereinten Nationen einen Resolutionsentwurf gegen die Verherrlichung des Nationalsozialismus vorgelegt. Die Diskussion ist für den 16. Dezember geplant. Er wurde mit Stimmenmehrheit im Dritten Ausschuss der Generalversammlung der Vereinten Nationen gebilligt. Zwei Länder haben dagegen gestimmt: die USA und die Ukraine. Unterdessen fordert Russland die Beseitigung aller Formen von Rassendiskriminierung und schlägt konkrete Maßnahmen vor, um eine Revision der Ergebnisse des Zweiten Weltkrieges zu verhindern. Und für diese Besorgnis gibt es ernste Gründe.
"Heute sind etwa 500 Neonazi-Gruppen auf dem Territorium der EU-Länder tätig. Auf die eine oder andere Weise werden sie von etwa sieben Millionen Menschen unterstützt", sagte bei der Konferenz in der Informationsagentur Rossiya Segodnya Alexander Brod, Mitglied des Rats für die Entwicklung der Zivilgesellschaft, Mitautor des Berichts "Verlernte Lektionen von Nürnberg".
"Eine Generation von Politikern, Wissenschaftlern, Experten, Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, Bürgeraktivisten und Vertretern der Kunstwelt und gewöhnlichen Bürgern geht, die sich noch an die katastrophalen Folgen des Krieges erinnern, an den schrecklichen Preis, der für nationalistische Ambitionen, für ‘Weltherrschaft‘ und ‚Reinheit der Rasse‘ gezahlt wurde. Neue Generationen sind sich ihrer Verbindung mit jener tragischen Ära immer weniger bewusst. Folglich gibt es eine Grundlage für die Überarbeitung jener Wertgebote, die zuvor unerschütterlich erschienen", betonte Alexander Brod.
Laut ihm hat sich in einigen Ländern eine psychische Müdigkeit des Schuldkomplexes für die Katastrophe von 1933-1945 angesammelt. Und dies provoziert unter anderem nicht nur die Beseitigung von "Exzessen" und Ungerechtigkeiten gegenüber dem deutschen Volk in der Nachkriegszeit, sondern auch den extremistischen "Revisionismus" – den Wunsch, ein rationales Korn in der Naziherrschaft zu finden, ihre Werte zu teilen.
Laut den Autoren des Berichts wird "Spielen im Nationalsozialismus" zu einer Art effektiver PR, die es einigen "Stars" aus Kunst und Politik ermöglicht, Aufmerksamkeit zu erregen. Russland ist auch nicht frei von solchen Problemen – dies sind Vandalismus, Reden von Nationalisten, die gefährliche Ausbreitung von Intoleranz-Ideen im Internet. Diese Tatsachen werden nicht vertuscht. Ein Gesetz zur Bekämpfung extremistischer Aktivitäten wurde verabschiedet, und die Täter werden strafrechtlich verfolgt.
Ein weiterer Grund für das Wachstum der neonazistischen Stimmungen ist eine Art Politik des „historischen Gedächtnisses“ in den jungen Staaten Europas, die aus der UdSSR stammen. „Die herrschenden Eliten dieser Länder bauen ihre eigene Version der nationalen Geschichte auf – das Gegenteil derjenigen, die während der Sowjetzeit in das öffentliche Bewusstsein eingeführt wurde. Infolgedessen werden häufig zusammen mit der Wiederherstellung der historischen Gerechtigkeit entweder offene Komplizen des Hitler-Nationalsozialismus oder radikale Nationalisten, die nicht direkt mit dem NS-Regime in Deutschland verbunden sind, zu Nationalhelden", so Alexander Brod.
Der dritte Grund sei seinen Worten zufolge der Zusammenbruch der Weltmigrationspolitik: „Millionen Menschen aus verschiedenen Ländern der Welt ziehen in Regionen mit einem höheren Grad an sozioökonomischer Entwicklung und politischer Stabilität (vor allem in die Länder Westeuropas und in die USA). Schwierigkeiten bei der Anpassung und Integration der Neuankömmlinge, verbunden mit wachsenden wirtschaftlichen Problemen sowie der Verbreitung der dschihadistischen Ideologie unter den europäischen Muslimen, bilden selbst in Ländern mit entwickelten demokratischen Institutionen Fremdenfeindlichkeit, Populismus und extremen Nationalismus mit rassistischen Elementen und tragen zur Stärkung des Misstrauens und der Feindseligkeit den Fremdlingen gegenüber bei.“
Neben objektiven Gründen, betonen die Autoren des Berichts, tragen subjektive Gründe auch zum Wachstum der neonazistischen und nationalistischen Gefühle in Europa und Amerika bei. Dies kommt den westlichen Ländern im Kampf gegen Russland zugute. Für den kollektiven Westen ist Russland ein Gegner, der von allen Seiten mit Militärstützpunkten umgeben und mit Sanktionen belegt werden muss. Dafür reicht auch eine Fälschung der Geschichte.
"Diese Aktionen der Regierungen westlicher Länder zielen darauf ab, die Ergebnisse des Krieges in der ideologischen und geopolitischen Dimension zu revidieren", fasst Alexander Brod zusammen.
Der lettische Menschenrechtler Einars Graudinsch schätzte den Bericht als sehr wichtig ein. Laut ihm ist heute die wichtigste ideologische These Lettlands, dass die baltische Republik zweimal von der Sowjetunion besetzt war: 1940 und 1944-45. Das heißt, was einst als Befreiung von den Nazi-Invasoren durch die Rote Armee verstanden wurde, wird heute offiziell als sekundäre Besetzung Lettlands interpretiert. Dies erstreckt sich über den gesamten Bereich der Kultur, Bildung, Interpretation der Geschichte und wird als Regierungsprogramm finanziert.
„Leider kann ich auf dieser Online-Konferenz meine Einstellung zu dieser Tatsache nicht zum Ausdruck bringen. Denn wenn ich dies nicht unterstütze, werde ich automatisch strafrechtlich verfolgt, weil ich die Tatsache der sowjetischen Besatzung leugne. In Lettland wurde während des Großen Vaterländischen Krieges nicht nur die gesamte jüdische Diaspora vollständig zerstört, sondern genau nach Lettland wurden Zehntausende Juden aus Deutschland und Österreich gebracht, um an Ort und Stelle ausgerottet zu werden. Die Nazis glaubten, dass hier günstige Bedingungen für diesen Prozess geschaffen wurden", sagte Einars Graudinsch.
Einars Graudins wies darauf hin, dass es heute in Lettland kein gesetzliches Verbot des Verkaufs von NS-Literatur gebe, es sei kein Problem, sie in Lettland zu erwerben. Gleichzeitig werden in Lettland Dutzende von Gerichten gegen Menschen abgehalten, die an antifaschistischen Aktivitäten beteiligt waren. Nazi-Verbrecher werden verherrlicht:
„In Riga gibt es einen heiligen Ort für alle Letten – den Zentralen Massenfriedhof. Hier liegen begrabene lettische Schützen, die im Ersten Weltkrieg für das Russische Reich gekämpft haben. Dann gab es dort andere Bestattungen. Hier steht das Denkmal 'Mutter Lettland mit ihren toten Söhnen'. Am 16. März 1995 wurde der durch Hitlers Dekret zum Generalinspektor der lettischen SS-Freiwilligen-Legion ernannte SS-General, der Lette Rudolf Bangerskis, dorthin umgebettet. Ich kann nicht öffentlich Schlussfolgerungen ziehen, sonst werde ich im Gefängnis sitzen. Aber jeder, der mich hört, kann eine Schlussfolgerung ziehen“, sagte der lettische Menschenrechtler.
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